Di 24 Jan 2006
Wu Wei - Daoismus im Business?
Geschrieben von ijb in Kategorie Tatort Unbekannt , Kommunikation , Verkauf , Filosofisches
Change Management und Wu Wei - zwei Werkzeuge, die Sie besitzen sollten - auch oder gerade im Business.
Change Management - das Instrumentarium für Veränderungsprozesse. Die Bezeichnung “Handwerkskasten für Veränderungsmanager” trifft genau zu. Wenn Changemanagement das Handwerkszeug ist, dann ist Wu Wei die Philosophie.
So wird Wu Wei definiert:
Es gibt ein Lernen, das uns verstehen läßt, was wir sind. Aus diesem Verständnis entsteht eine völlig neue Art des Handelns: wu wei. Das heißt handeln durch Nichteingreifen, durch Geschehenlassen. Es ist die Fähigkeit, das Steuer des Lebens jener Macht zu überlassen, die eine Dimension von uns selbst ist und die Laotse einst das Tao genannt hat.
Zuerst konnte ich nicht viel damit anfangen. Gerade mir als ausgesprochener “Aktiv-Wurzn” kommt das auf den ersten Blick einem “tatenlos zusehen” gleich. Da ich aber momentan wirklich ein Problem habe, das es zu lösen gilt, und von einem guten Freund nur - sonst kommentarlos - die Worte “WuWei” zugespielt bekam - was blieb mir da anderes übrig als den Hinweis doch ernster zu nehmen und der Sache auf den Grund zu gehen.
Erste Anlaufstelle war natürlich Wikipedia. Ehrlich gesagt brachte mich das auch nicht viel weiter. Klar, bin ich doch so gar nicht der esotherische Typ, der empfänglich für Grenzwissenschaften ist. Also weiter - diese Seite gefunden. spricht mich optisch an, auch der Inhalt war schon etwas verständlicher für mich. Ich liebe praktische Beispiele - das mit dem Wasser war mir sofort glasklar.
Aber immer noch wenig Ahnung, wie mir das bei meinem Problem aktuell helfen könnte. Bis ich das fand:
Fischer stellt seine Wu Wei Philosophie - die nicht mit der Ursprungslehre des Daoismus identisch ist, sondern allenfalls einige Elemente daraus entlehnt - als eine allen anderen Ansichten überlegene Weisheit dar. Lehrt uns aber nicht gerade der Daoismus, daß mannigfaltige Bedingungen existieren und verschiedene Menschen verschiedene Wege benötigen, um zu finden, was das Leben für sie bereithält?
[Auszug aus einer Buchbesprechung zu theo fischers Buch “Wu Wei”]
Und plötzlich sah ich den direkten Zusammenhang. Habe ich doch selbst schon oft gesagt, es gibt nicht wirklich richtig und falsch - es kommt immer auf den Standpunkt an. Und predige ich nicht selbst meinen Kunden oft genug, dass sie in die Haut ihres Kunden schlüpfen müssen, um ihn zu verstehen, seinen Nutzen ergründen zu können?
Auch wenn für mich persönlich die klaren Linien, das “1+1=2″, das Schwarz-Weiss so wichtig sind und ich damit am besten umgehen kann - wer sagt, dass das auch für alle anderen Lebewesen so sein muss? Also mal in die Haut des Gegenspielers geschlüpft und versucht, seine Gedanken nachzuvollziehen. Nicht einfach…..
Und plötzlich fällt mir ein: waren nicht früher die besten Kriegsstrategen die, die das perfekt beherrschten? Den Schachzug des Gegners schon vorauszuahnen und in Ruhe abzuwarten? Noch ein Puzzle, ein geflügeltes Wort: “Was schlecht ist, wird scheitern. Was gut ist, hat Bestand.”
Mal sehen, was ich in der Praxis fähig bin, draus zu machen, intuitiv. Im schlimmsten Fall bleibt mir immer noch die Alternative “give him enough rope to hang himself”….
Januar 27th, 2006 at 01:01
Also, die Definition von Wu Wei war mir auch noch nicht geläufig, aber wie sie so dasteht, kann ich das aus meiner Sicht fürwahr für wahr für mich ersehen.
Dieses Geschehen lassen, dieses Los lassen, das ist einiger Übung wert…:-)))
Aber lange noch nicht immer zu packen… dafür ist im “Außen” zu viel Lärm, zu viel Manipulation./Das nun sollte man zwar geschehen lassen, aber ohne dass es einen beeinflusst…/
Freilich wirkt es zunächst mal ulkig: Problem lösen durch geschehen Lassen, durch Loslassen, das kann nur auf andere, die nicht so denken, irrig wirken, arrogant, gleichgültig und was sonst noch alles.
Man läuft Gefahr, in den Augen anderer nur noch als der “Schuldige” zu gelten, wenn irgend etwas nicht klappt… man “sitzt ja nur rum und wartet auf gebratene Tauben”. DAS ist falsch verstanden… lässt sich aber schwer erklären, weshalb man das wahrscheinlich auch lassen sollte= loslassen sollte, dass es einen nicht mehr beeindruckt.
Aber man muss vor dem Geschehenlassen halt das Problem sich auch anschauen, verdrängen bringt da nix…
Wollte nur damit ausdrücken, man kann es ordentlich missverstehen, diesen Vorgang, wenn man dafür keinen “Draht” hat.
Januar 27th, 2006 at 06:01
Ja, Tina. Da bin ich vollkommen Deiner Meinung. Denn missverstehen kann man das sehr schnell. Vor allem hatte ich anfangs das Gefühl, vom Gegenüber als schwach angesehen zu werden. Und damit automatisch zum “Verlierer” zu werden. Keine angenehme Vorstellung für mich…. Aber es funktioniert anders - und heute kann ich in meinem speziellen Fall auch schon sagen: es scheint zu wirken.
März 4th, 2006 at 15:03
hallo,
ich bin zufällig auf dieser Seite gelandet und dachte mir sofort:toll,endlich mal eine seite,auf der ich Fragen direkt stellen kann.
ich arbeite gerade an einem Referat über den Daoismus.Das Allgemine haben ich auch schon durch das Internet rausbekommen.Was mich jedoch speziell interessieren würde,und was ich nicht finden konnte ist:wie wird der Daoismus in der heutigen Zeit denn praktisch gelebt?und gibt es moralisch Vorschriften?(wie zum Beispiel im Katholizismus,Priester dürfen nicht heiraten etc.)
Würde mich über eine Antwort hier oder über Rückmeldung via Email sehr freuen