Mo 19 Dez 2005
„Geiz ist geil“
Mit Schnäppchen-Werbesprüchen wie diesem werden nicht glückliche Konsumzeiten, sondern gefährliche Krisen angekündigt, die durchaus im Crash enden können. Wenn Automobilhersteller erstmals sogar ihre Listenpreise nach unten korrigieren, ist das kein gutes, sondern ein böses Omen. Die Zeichen an der Wand sind Zeichen einer Deflation: Unser Finanzsystem erodiert, überall fehlt plötzlich das Geld, immer mehr Menschen müssen um ihre Zukunft bangen. Doch viele durchschauen die Zusammenhänge nicht und fallen auf Schnäppchen-Werbung herein, mit der eine marode Wirtschaft gerade zur Notbeatmung übergeht. Jetzt ist es wichtig, die richtigen Schlüsse und Entschlüsse aus den aktuellen Symptomen zu ziehen.
So beginnt ein Artikel von Günter Hannich auf http://geldcrash.com
Auch wenn ich nicht vollinhaltlich seinen Artikel unterschreiben kann, läuten doch auch bei mir die Alarmglocken!
Meiner Ansicht nach bekommen wir jetzt beinhart die Auswirkungen unserer Überfluss-Konsumgesellschaft zu spüren. Wir wollten immer alles - und das natürlich sofort. Und natürlich auf Kredit, denn “flüssig” braucht man nicht zu sein….
So wie auf dem Bild haben wir jahrelang den Geldsegen aus öffentlichen Kassen und aus leicht erhaltenen Krediten bei den Banken regelrecht verprasst.
Damit wurde zwar für einen gewissen Zeitraum die Wirtschaft angekurbelt, da mehr konsumiert wurde als “man” sich leisten konnte. Nun sind aber sämtliche Konten heillos überzogen, der Kreditrahmen (nicht zuletzt dank Basel II) nach unten gedrückt und bares Geld so gut wie aus der Mode, sprich: keiner hat es mehr im Überfluss.
Wenn also kein Kredit mehr möglich ist für einen Neu-Konsum, und wenn das vorhandene Geld schon viel zu wenig ist für die monatlichen fixen Verpflichtungen - was dann?
Dann entsteht eine Situation wie wir sie heute in allen westlichen Industrie-Staaten haben. Die Wirtschaft versucht verzweifelt - in JEDEM Bereich - Bedarf zu erwecken. Wir werden bombardiert mit Nachrichten über Dinge, die wir unbedingt brauchen und morgen sofort kaufen müssen. Bei Konsumgütern fallen die Preise schneller als das Laub im Herbst. Das Problem ist nur, dass das Geld dafür nicht mehr vorhanden ist. Was wieder auf Grund des geweckten Bedarfs einen Frust beim Konsumten hervorruft.
Denn uns wird ja gesagt:
“Alle haben es bereits! Warum Sie noch nicht?”
Ich habe mich in den letzten Wochen in vielen Branchen umgehört. Fazit: alle waren am Jammern. Das Geschäft geht nicht, die Leute geben kein Geld mehr aus für Dinge, die nicht dringend benötigt werden.
Und die Spirale dreht sich weiter……
Der Bedarf für Dinge, die völlig nutzlos sind, wird noch massiver geweckt. Der Frust, weil “man” sich nicht mehr alles leisten kann, steigt.
Der fallende Umsatz macht der Industrie enorme Probleme. Massenkündigungen sind die Folge. Die Arbeitslosenrate steigt. Das Geld wird noch knapper.
Unsere Wrtschaft liegt am Boden. Kein Bereich scheint noch lukerativ zu sein. Wie soll das alles weitergehen?
Was ich für mich aus dieser Lage erkannt habe, sind ein paar sehr einfache Dinge:
» Rede mit den Menschen. Finde heraus, wo sie der Schuh am meisten drückt und bringe nach Möglichkeit Lösungsvorschläge.
» Versuche nicht, den Menschen Dinge zu verkaufen, die sie nicht brauchen. Selbst wenn es klappt, hast Du über kurz oder lang einen hoch verschuldeten Ex-Kunden, der tief frustriert ist.
» Passe Dich den veränderten Bedingungen an und durchforste selbst, was Du an laufenden Fixkosten hast. Und was davon nicht unbedingt nötig ist.
Sparen ist zu einem der wichtigsten Schlagwörter geworden. Und doch würde ich es nicht als Sparen bezeichnen, denn das bedeutet für mich Verzicht auf wichtige Dinge. Ich denke eher, dass wir wieder lernen müssen, ohne all die überflüssigen Dinge zu leben, die uns nur als “unbedingt nötig” suggeriert werden. Der Konsumverzicht in unbedeutenden Teilen des Lebens scheint mir wesentlich wichtiger.
Und noich etwas habe ich ganz privat entdeckt - obwohl eigentlich schon ein alter Hut:
Billig gekauft, ist meist auf längere Sicht gesehen tatsächlich sehr viel teurer. Nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für den Produzenten/Lieferanten. Weniger Dinge, dafür solche mit Qualität, bringen ein völlig neues Lebensgefühl. Weg von der Wegwerf-Gesellschaft hin zu mehr Werterhalt.
Fazit meiner Überlegungen:
Es hat schon oft in der Geschichte Wirtschaftskrisen gegeben. Alle sind noch überlebt worden -mit mehr oder weniger drastischen Auswirkungen. Es geht heute bereits langsam aber sicher wieder aufwärts. Innovative Konzepte sind gefragt. Wer solche bieten kann - und vor allem den Kundennutzen berücksichtigt - der wird wieder Geschäfte machen.
Nutzen Sie die nächsten ruhigen Stunden, um sich Gedanken über Ihre persönliche Situation zu machen. Ziehen Sie Register über Ihre eigenen Finanzen. Wenn Sie damit fertig sind, wissen Sie genau, wie es anderen geht. Und dann jammern Sie bitte nicht mit im Chor der Allgemeinheit. Sondern nutzen Sie diese neu gewonnenen Erkenntnisse, um daraus Vorteile für Ihr Geschäft zu ziehen.