So 9 Jul 2006
Umsatz oder Ertrag? Kalkulieren Sie richtig!
Geschrieben von ijb in Kategorie Tatort Unternehmen , Rechnungswesen , Organisation , VerkaufImmer noch wird mehr dem Umsatz nachgejagt als auf den Ertrag geschaut. Und genau das ist der Grund, warum viele Unternehmen in den roten Zahlen liegen…..
Heute ein Ausflug in die Kalkulation - die leider viel zu wenig angewandt wird. Man findet immer wieder Ausreden, eine echte Verkaufspreiskalkulation nicht anwenden zu können. Und vergisst dabei, dass man vom Umsatz nicht leben kann, sondern dass nur der Ertrag - und der allein - ausschlaggebend ist für den Erfolg eines Unternehmens.
Hier die Schritte vom Einkaufspreis Ihrer Ware zum Verkaufspreis für Ihren Kunden:
Einkaufspreis = der Nettobetrag, den Sie an den Lieferanten bezahlen
+ Bezugskosten = die Kosten für Fracht, Porto, Paketdienst, Abholung (km-Geld) etc.
+ Gemeinkostenzuschlag = ein Durschnittsprozentsatz, der alle Ihre Gesamtkosten umfasst wie Miete, Strom, Telefon etc.
= Selbstkostenpreis
+ Risiko der Gewährleistung - ein Zuschlag, der aus Erfahrungwerten von Reklamationsaufwand, Storno, Rückgabe etc. berechnet wird
+ Skonto - sofern Sie Ihren Kunden einen Skonto gewähren
+ Vorfinanzierung - ein Zuschlag für den Finanzierungszeitraum, der zwischen Ihrem Bezahlen des Lieferanten und dem Bezahlen des Kunden liegt; in der Regel rechnet man mit derzeit etwa 7,5 % Bankzinssatz
+ Mehrwertsteuer
= Verkaufspreis ohne Gewinnzuschlag
+ Gewinnzuschlag - das, was Sie nun auch daran verdienen wollen
= Verkaufspreis Ihrer Ware - den Sie auf jeden Fall erhalten müssen; also dabei nicht nochmals “handeln” lassen dürfen!
Warum ich den Gewinn an allerletzte Stelle gereiht habe, obwohl er laut Lehrbuch schon viel früher berechnet werden sollte, hat einen einfachen Grund:
Durch meist vergegebene empfohlene (oder sogar fixierte) Verkaufspreise für den Kunden bleibt wenig Spielraum für Ihre eigene Kalkulation. Und das ist auch der Hauptgrund, warum viele Unternehmer nicht mehr wirklich selbst kalkulieren. sondern einfach den empfohlenen Verkaufspreis als gegeben hinnehmen. Und sich dann wundern, warum “nichts übrig bleibt”.
Auch bei empfohlenen Verkaufspreisen sollten Sie überprüfen, ob Sie auch noch daran verdienen. Oder ob - wie so oft - Ihre Handelsspanne auf der Strecke bleibt und Sie zwar Umsatz generieren, aber leider keinen Gewinn. Wenn vor dem Gewinnzuschlag laut meiner Berechnungstabelle schon der empfohlene Verkaufspreis überschritten werden müsste, dann lassen Sie die Finger von diesem Produkt bzw. diesem Lieferanten! Denn Sie leben nicht vom Umsatz - Sie leben vom Gewinn, den Sie mit dem Vertrieb der Waren erwirtschaften!
Juli 9th, 2006 at 06:07
Zitat:
“Immer noch wird mehr dem Umsatz nachgejagt als auf den Ertrag geschaut. Und genau das ist der Grund, warum viele Unternehmen in den roten Zahlen liegen…..”
Das kenne ich auch, bei einem ehemalgen Arbeitgeber von mir ging auch der Umsatz über alles. War ja auch klar, der Aufsichtsratsvorsitzende bekam seine Prämien prozentual nach der Höhe des Umsatzes (toller Vertrag).
Das Ergebnis war dann, dass sie mit 100 Millionen Euro bei den Banken in der Kreide standen und sie die Hälfte ihrer Angestellten entlassen mußt weil die Banken das sagen hatten und die Unternehmensberater die Entlassungen als erste Maßnahme anführten.
Juli 9th, 2006 at 08:07
Ja, da beisst sich meist der Hund in den Schwanz. Die Lieferanten staffeln die EK-Preise auf Grund des getätigten Umsatzes. Die Verkäufer werden daher angehalten, Umsatz zu machen, um die Bonusstaffel zu halten oder sogar zu erhöhen. Damit schaut der Verkäufer, dass er auf jeden Fall die Ware rauskriegt - egal zu welchem Preis. Weil leider auch seine Provision sehr oft (unsinnigerweise!) an den Umsatz gekoppelt ist.
Damit wird Umsatz generiert, der leider oft sogar ein Minus bringt. Hauptsache raus unters Volk…..
Juli 9th, 2006 at 16:07
Das ist in meinen Augen ein ganz krankes System.