Do 24 Nov 2005
“Die Menschen von heute wünschen das Leben von übermorgen zu den Preisen von vorgestern.”
Tennessee Williams
Alle jammern, dass das Leben teurer geworden ist. Und sie haben sogar recht. Der Euro ist zum Teuro geworden. Speziell im heurigen Jahr war dies ganz empfindlich zu spüren.
Und trotzdem wird mit aller Macht geworben, was das Zeug hält: Aktionen, Sonderpreise, Eröffnungsrabatte, Abverkaufs-Schnäppchen…..
Der reale und der virtuelle Postkasten sind randvoll mit Angeboten. Mir kommt vor, noch nie war das Angebot so gross und die Nachfrage so gering. Erinnern Sie sich an dieser Stelle an das Grundprinzip der Marktwirtschaft?
Der Preis wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage.
Je weniger Ware und je mehr Nachfrage, desto höher der Preis. Je mehr Ware und je geringer die Nachfrage, desto niedriger der Preis.
Wir leben eindeutig seit langem in einer Überfluss-Gesellschaft. Alles ist in überreichlicher Menge vorhanden. Man kann sich jederzeit alles kaufen, was man will - auch wenn man es gar nicht braucht. Geld muss man haben. Das allerdings ist weniger geworden in der letzten Zeit. Viel weniger. Daher sind wir alle sparsamer geworden - zwangsläufig.
Wohin führt diese Situation?
Einerseits zu weniger Umsatz, da nur mehr Dinge gekauft werden, die man wirklich braucht. Es wird überlegter Geld ausgegeben.
Andererseits zu neuen Ideen der Werbewirtschaft, um versteckte Bedürfnisse zu wecken. Zu bommenden neuen Märkten, neuen Produkten, die wieder gekauft werden. Weil wir denken: “das ist was Neues” und “das könnte ich brauchen”.
Und so dreht sich das Rad weiter. Die Umsätze stagnieren. Es herrscht brutalster Verdrängungswettbewerb am Markt. Die “Grossen” schreiben ausser roten Zahlen auch noch so manches Marktsegment ab. Aggressives Marktverhalten, mit dem damit verbundenen Preiskampf, führt zwangsläufig zu schlechterer Qualität und damit zu weniger Sicherheit für den einzelnen Kunden. Das schwächt die Riesen auf Dauer - die Fassaden beginnen zu bröckeln.
Wo bleibt der “Kleine” in diesem Kampf der Giganten?
Ich sage: es ist ein Vorteil für uns Kleinunternehmer. Denn wenn man mit Bedacht kauft, wo kauft man dann? Dort, wo man Vertrauen aufgebaut hat. Scheint doch sonnenklar. Dass auch der Preis dabei stimmen muss, liegt auf der Hand. Aber das bedeutet nicht gleichzeitig, dass dieser Preis der billigste sein muss. Angemessen soll er sein - und der Kunde muss es sich leisten können.
Das einführende Zitat von Tennessee Williams zeigt, dass es diese Situation nicht zum ersten Mal gibt. Es gab am Markt schon immer ein Auf und Ab. Eine Sinuskurve von Angebot und Nachfrage, die gegengleich verlaufen. Zeiten, in denen “das Geschäft gut läuft” und Zeiten, in denen man sich umso mehr um den Kunden bemühen muss.
Mein heutiger Rat daher an alle “Kleinen”:
Lassen Sie sich nicht anstecken von der Rabattitis. Nicht “minus 70%” werden in Wahrheit gekauft. Sondern gute Ware zu vernünftigen Preisen. Was Sie allerdings schaffen müssen: das Vertrauen Ihrer Kunden gewinnen - und es auch behalten.
Missbrauchen Sie es also nicht!
November 24th, 2005 at 15:11 e
Fluides WebDesign Zukunft
Fluides WebDesign bedeutet, dass sich die Breite einer Website der Auflösung des Ausgabegerätes anpasst. WebDesign zwischen 120px und 2600px.
…
November 24th, 2005 at 19:11 e
Servus!
In dem verlinkten Beitrag les ich auch noch:
“Denn es gibt kaum Kunden, die das zahlen wollen: für 20 Euro wurde vor kurzem ein WebDesign Auftrag von einem “WebDesigner” ersteigert.
Fluides WebDesign wird weiterhin Zukunft bleiben, ferne Zukunft — sehr, sehr ferne Zukunft. FrontPage läßt grüßen.”
Für 20 Euro klapp ich ehrlich gesagt nicht mal den Deckel an meinem Notebook hoch - und ich mach Webentwicklung aus Hobby, für mich selbst und ein paar gute Bekannte und Freunde. Aber soagr die müssen zahlen - mein Künstler eben in Naturalien, weil er (wie alle Künstler) knapp bei Kassa ist. Dafür häng ich mir jetzt ein wunderschönes (und sein Geld in der Kunstszene wertes) Bild an die Wand.
Was ich aber selbst erlebt habe:
“Man” muss einmal reingefallen sein. Dann erkennt man, warum manche Dinge billig sind (sind dann auch wirklich “billig”) und andere eher nur “preiswert” (schlicht und ergreifend ihren Preis wert). Und dann muss man sich entscheiden. Für billig und bald zum Wegwerfen - oder für preiswert mit Werterhaltung.
Die “Geiz-ist-geil”-Mentalität ist nur der Lack, der aussen dran pappt. Eine gute und schützende Mauer, um nicht sagen zu müssen “das kann ich mir nicht leisten”. Wo sind die guten alten Zeiten, wo man auf etwas hingespart hat, weil man genau DAS haben wollte?