“Die Menschen von heute wünschen das Leben von übermorgen zu den Preisen von vorgestern.”
Tennessee Williams

Alle jammern, dass das Leben teurer geworden ist. Und sie haben sogar recht. Der Euro ist zum Teuro geworden. Speziell im heurigen Jahr war dies ganz empfindlich zu spüren.

Und trotzdem wird mit aller Macht geworben, was das Zeug hält: Aktionen, Sonderpreise, Eröffnungsrabatte, Abverkaufs-Schnäppchen…..

alles wird teurer - und gleich wieder reduziertDer reale und der virtuelle Postkasten sind randvoll mit Angeboten. Mir kommt vor, noch nie war das Angebot so gross und die Nachfrage so gering. Erinnern Sie sich an dieser Stelle an das Grundprinzip der Marktwirtschaft?

Der Preis wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage.

Je weniger Ware und je mehr Nachfrage, desto höher der Preis. Je mehr Ware und je geringer die Nachfrage, desto niedriger der Preis.

Wir leben eindeutig seit langem in einer Überfluss-Gesellschaft. Alles ist in überreichlicher Menge vorhanden. Man kann sich jederzeit alles kaufen, was man will - auch wenn man es gar nicht braucht. Geld muss man haben. Das allerdings ist weniger geworden in der letzten Zeit. Viel weniger. Daher sind wir alle sparsamer geworden - zwangsläufig.

Wohin führt diese Situation?
Einerseits zu weniger Umsatz, da nur mehr Dinge gekauft werden, die man wirklich braucht. Es wird überlegter Geld ausgegeben.
Andererseits zu neuen Ideen der Werbewirtschaft, um versteckte Bedürfnisse zu wecken. Zu bommenden neuen Märkten, neuen Produkten, die wieder gekauft werden. Weil wir denken: “das ist was Neues” und “das könnte ich brauchen”.

Und so dreht sich das Rad weiter. Die Umsätze stagnieren. Es herrscht brutalster Verdrängungswettbewerb am Markt. Die “Grossen” schreiben ausser roten Zahlen auch noch so manches Marktsegment ab. Aggressives Marktverhalten, mit dem damit verbundenen Preiskampf, führt zwangsläufig zu schlechterer Qualität und damit zu weniger Sicherheit für den einzelnen Kunden. Das schwächt die Riesen auf Dauer - die Fassaden beginnen zu bröckeln.

Wo bleibt der “Kleine” in diesem Kampf der Giganten?

Ich sage: es ist ein Vorteil für uns Kleinunternehmer. Denn wenn man mit Bedacht kauft, wo kauft man dann? Dort, wo man Vertrauen aufgebaut hat. Scheint doch sonnenklar. Dass auch der Preis dabei stimmen muss, liegt auf der Hand. Aber das bedeutet nicht gleichzeitig, dass dieser Preis der billigste sein muss. Angemessen soll er sein - und der Kunde muss es sich leisten können.

Das einführende Zitat von Tennessee Williams zeigt, dass es diese Situation nicht zum ersten Mal gibt. Es gab am Markt schon immer ein Auf und Ab. Eine Sinuskurve von Angebot und Nachfrage, die gegengleich verlaufen. Zeiten, in denen “das Geschäft gut läuft” und Zeiten, in denen man sich umso mehr um den Kunden bemühen muss.

Mein heutiger Rat daher an alle “Kleinen”:
Lassen Sie sich nicht anstecken von der Rabattitis. Nicht “minus 70%” werden in Wahrheit gekauft. Sondern gute Ware zu vernünftigen Preisen. Was Sie allerdings schaffen müssen: das Vertrauen Ihrer Kunden gewinnen - und es auch behalten.

Missbrauchen Sie es also nicht!