Do 29 Dez 2005
Der Markt regelt den Preis
Geschrieben von ijb in Kategorie Tatort Unternehmen , Rechnungswesen , Marketing (edit this)“Der Markt regelt den Preis”
Diesen Satz haben Sie sicher schon gehört. Ganz sicher. Denn er wird immer wieder gern benutzt, wenn alle Rechenkünste versagt haben.
Der Preis wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Gibt es wenig Ware und viele Kunden, wird der Preis steigen. Verhält es sich umgekehrt und liegt Ware auf Lager, aber es finden sich keine - oder zu wenig Kunden - dann sinkt der Preis.
Das ist eine uralte Regel - so alt wie der Handel selbst.
Was passiert nun schon lange in unserer Wirtschaft? Die Waren werden im Grunde nicht teurer, nur moderner. Was teuer ist, ist die Dienstleistung, nicht die Ware. Das deutet untrüglich darauf hin, dass wir - als ausklingende Konsumgesellschaft - viel zu viel Ware am Markt haben. Eine Menge, die die Kunden mit dem noch vorhandenen freien Geld gar nicht mehr kaufen können! Selbst wenn sie noch so sehr dazu motiviert werden.
Was heisst das nun für Sie als Kleinunternehmer?
Sie können auf Dauer nicht mithalten mit Schlussverkaufs- und Aktionsrabatten, die teilweise bis zu 70% gehen. Noch dazu, wenn Sie vom Lieferanten/Erzeuger empfohlene Verkaufspreise haben, an die Sie sich halten sollten.
Wichtig für Ihre Strategie:
BEVOR Sie ein Produkt zum Vertrieb aufnehmen, müssen Sie den Markt dazu finden. Nein - es genügt NICHT, wenn Ihnen der Erzeuger/Lieferant SAGT, dass es einen riesigen Markt dafür gibt! Sie als Unternehmer haben die Aufgabe, echtes Marketing zu betreiben - den Markt zu erforschen, ob er das Produkt aufnehmen wird und wenn ja, zu welchem Preis.
Ihr Produkt muss am Markt gefragt sein oder zumindest eine Chance haben, als neu aufgenommen zu werden. Die Kunden haben eine eigene Vorstellung davon, wieviel eine Ware kosten kann. Ermitteln Sie die Schmerzgrenze Ihrer Kunden und halten Sie sich darunter. Beobachten Sie gleichwertige Produkte von Mitbewerbern am Markt. Aber bitte kritisch - auch Ihrem eigenen Produkt gegenüber. Vergleichen Sie so, wie es auch Ihre Kunden tun werden.
Und das Allerwichtigste:
Wenn Sie einen marktgerechten Preis gefunden haben, zu dem eine gewisse Stückzahl am Markt plaziert werden kann, und Ihr Produkt zu diesem Preis anbieten wollen - dann vergessen Sie auf keinen Fall, die Rechnung auch von der anderen Seite zu machen. Denn Sie wollen ja schliesslich etwas verdienen dabei. Oder nicht?
Die Preiskalkulation für Ihren Gewinn:
Basis dafür ist natürlich der Preis, den Sie selbst dafür bezahlen. Vergessen Sie die Versandkosten nicht! Dann natürlich noch Ihre eigenen Unkosten. Von jedem Produkt, das Sie verkaufen, muss ein gewisser, wenn auch minimaler, Anteil an Ihren gesamten Kosten getragen werden. Das nennt man Gemeinkosten. Dazu zählen z.B. Werbung, Miete, Telefon, Strom, Compiter, Büromaterial (Papier, Bleistifte,…), Postgebühren, Fahrtspesen. Dann noch eventuelle Preisnachlässe, die Sie den Kunden gewähren wollen/müssen. Viele Menschen handeln einfach gern, egal wie hoch der Ausgangspreis ist. Dann noch Ihre eigenen Vertriebskosten - wie kommt der Kunde an die Ware. Dazu zählen Lieferbedingungen (bringen Sie die Ware zum Kunden?), eventuelle Zugaben, extra Serviceleistungen und Ähnliches. Und letztendlich auch Ihre Gewinnspanne - wieviel wollen Sie daran verdienen?
Wenn Sie nun diesen Preis ermittelt haben, stellen Sie ihn dem vorher ermittelten Marktpreis gegenüber. Wie sieht das Verhältnis aus? Gut? Gratuliere! Das wird auch ein gutes Gechäft für Sie! Unmöglich? Dann sollten Sie besser die Finger von diesem Produkt lassen. Denn Sie wollen doch nicht einen Monat lang beschäftigt sein und am Monatsende noch Geld dafür an Ihre Kunden bezahlen! Das wärs dann nämlich….