Vor kurzem lief wieder mal der Film “Cool Runnings” im TV. Kennen Sie nicht? Macht nichts. Mir geht es auch nicht um eine Filmkritik. Mir geht es um das, was mein 13jähriger Sohn dabei erkannt hat.
Es geht darin um die erste jamaicanische 4er-Bob-Mannschaft bei den olympischen Spielen. Das muss 1988 in Calgary gewesen sein. Abgesehen davon, dass mir der Film beim zweiten Mal ansehen noch genau so gefallen hat (und das lag nicht allein an dem gut aussehenden Steuermann der Mannschaft), blieben mir auch diesmal drei Botschaften daraus als ungemein wichtig hängen.
Lebe Deinen Traum!
Einer der Jungs ist aus reichem Haus. Sein Vater, der wirtschaftlich bedeutendste Mann auf Jamaica, hat ihn studieren lassen und ihm einen Job in einer renommierten Anwaltskanzlei in den USA besorgt. Der Junge kämpft mit seinem Zwang, automatisch dem dominanten Vater zu gehorchen, und seinem Traum, Bob zu fahren. Heimlich geht er mit dem Team nach Kanada, während sein Vater glaubt, er sei schon in der Anwaltskanzlei. Durch die Fernsehberichte kommt sein Vater dahinter, fährt nach Kanada und befiehlt dem Junior, sofort nach Hause zu kommen. Es kostet Junior ungeheure Überwindung, hier sich selbst wichtiger zu nehmen als den Gehorsam dem Vater gegenüber. Aber er besinnt sich auf sich selbst, seine eigene innere Stärke. Und bleibt. Mit dem Resultat, dass am Ende der Vater ebenfalls im Ziel steht und mit der Menge mitjubelt. Weil er den Stolz auf seinen Sohn nicht mehr verleugnen kann.
Eine Kopie wird niemals besser als das Original werden können
Die Schweizer werden überall als Favoriten gehandelt. Die Newbies, die in Calgary das erste Mal Schnee und eise kennen gelernt haben, nehen sich ein Vorbild an den Eidgenossen. Versuchen, sich beim Start genauso einzuzählen wie die Schweizer. Als der erste richtige Lauf total in die Hose geht, sitzen die vier Jungs am Abend beisammen und stellen fest: “Wenn wir aussehen wie Jamaicaner, reden wie Jamaicaner, uns benehmen wie Jamaicaner - warum fahren wir dann nicht auch wie Jamaicaner?” Am nächsten Tag, beim zweiten Durchgang, zählen sie sich nicht mehr mit “üüüns, zwüüü, drüüü” ein wie die Schweizer. sondern mit “Fühl den Rythmus, fühl die Musik. Dieser Bob bringt uns zum Ziel.” und erringen damit nicht nur eine unerwartet gute Platzierung in diesem Lauf sondern auch die Sympathien vieler Zuschauer.
Der Sieg ist nicht das Einzige, was zählt.
Am dritten Tag, beim alles entscheidenen Lauf, bricht bei ihrem alten Bob (für mehr hatte das Geld nicht gereicht) etwas an der Lenkung, sie kommen schwer zzu Sturz. Aus der Traum. Oder doch noch nicht? Sie rappeln sich wieder auf, alle vier schultern den völlig ramponierten Bob und tragen ihn unter tosendem Applaus ins Ziel. Keine Medaille, kein Rang in den Platzierungen generell - aber ein unendlicher Achtungserfolg!