Motivation


Die grosse Internet-Business-Plattform Xing muss gleich in den ersten Tagen des neuen Jahres einen kräftigen Kurssturz hinnehmen. Bis zu 10% fiel die Aktie an den diversen Märkten. In absoluten Zahlen verlor das Unternehmen an einem Tag bis zu 2 Mio Euro. Und das Warum ist relativ bemerkenswert…….

Bereits im November wurde den Mitgliedern mitgeteilt, dass die Business-Plattform doch nicht so ganz ohne Fremdwerbung auskommen würde. Langsam und “behutsam” - wie man es seitens der Geschäftsleitung formulierte - sollten Werbebanner auf den verschiedenen Seiten eingebaut werden. Das allein ist schon bemerkenswert, denn eine Business-Plattform, auf der die Mitglieder selbst ja täglich mit ihren eigenen Unternehmen werben - und dafür ja auch ihre monatlichen Beiträge zahlen - sollte sich den Schritt zu Fremdwerbung über eine Advertising-Agentur dreimal überlegen.

Die Mitglieder allerdings hatten zum Grossteil Verständnis für den finanziellen Mehrbedarf des Unternehmens und tauschten bereits im Vorfeld fleissig Links zu Ad-Blockern aus. Wo diese Werbung plaziert werden würde - darüber schwieg sich die Geschäftsleitung aus. Soviel wurde allerdings propagiert, dass Werbung nur für die kostenfreien Mitglieder mit eingeschränkter Nutzerfunktion sichtbar sein würde.

Am Sylvestertag mittag dann platzte die Bombe:
Eins der Mitglieder fragte vorsichtig an, ob man denn die Werbung auf den Profilseiten der Mitglieder nicht etwas anders gestalten könne, da (O-Ton) “die Profilansicht durch die Werbung schon sehr leidet”.
Ergebnis einer langen Diskussion und vielen Rückfragen untereinander (”Wie sehen Sie mein Profil?”) war, dass bereits seit sechs Wochen nicht nur Werbebanner oben, seitlich und unten auf der Plattform geschaltet werden, sondern auch mitten drin im persönlichen Profil jedes Users. Die zahlenden Mitglieder konnten sie halt (in diesem Fall leider) nicht bemerken.
Hier ein von einem Freund geschossener Screenshot meines Profils.Keine Werbung in User-Profilen!

Das Perfide daran:
Von aussen - ohne eingeloggt zu sein - sieht man gar nichts von Werbung. Jemand, der sich neu registriert, bleibt also der Meinung, es handle sich nach wie vor um eine werbefreie Businessplattform. Ist man eingeloggt, sieht man die Werbung nur, wenn man kostenfreies Mitglied ist. Ich werbe also mit meinem guten Namen, meinem Foto (das übrigens mein eigenes Firmenlogo nicht zeigen darf - auch nicht im Hintergrund!) für Irgendwen. Von dem ich nicht mal weiss und dessen Einblendung ich auch nicht beeinflussen kann.

In den letzten Tagen gab es dann einen Aufstand der Xing-Mitglieder, in dem energisch gefordert wurde, die Werbung aus den Mitgliederprofilen heraus zu halten. Gestern abend gegen 18:00 meldete sich dann endlich der Vorstand der AG zu Wort - der ja während der Feiertage auf Urlaub war und es auch nicht für nötig hielt, via Internet etwas früher ein Statement abzugeben. Wozu auch - es waren doch nur Kunden, die Sturm auf die Bastion liefen - keine Aktieninhaber……

Relativ nüchtern wurde durch Lars Hinrichs mitgeteilt, dass die User erhört worden waren und ab heute 17:00 ein Tool zur Verfügung stehen würde, mit dem zahlende Mitglieder die Werbung in ihren persönlichen Profilen deaktivieren könnten. Eine Entschulldigung? Aber woher denn….

Veranlasst war diese Reaktion meiner Meinung nach nicht durch den Protest der Mitglieder, sondern durch den empflindlichen Kurssturz und den Beginn der Negativ-Meldungen in den Medien - siehe Heise gestern nachmittag.

Funktioniert schien es vorläufig zu haben - sogar überschwengliche Dankesworte und kleine interne Feiern in den Gruppen über diesen vermeintlichen Sieg der User waren abends überall zu lesen. Was mich persönlich den Kopf schütteln liess über soviel Naivität……

Stopp der Fremdwerbung direkt im persönlichen ForenprofilDenn Rechtler hatten bereits bemerkt, dass Fremdwerbung direkt im Profil eines Users auf einer Businessplattform entweder gegen eventuell vorhandene Werbeverbote gewisser Berufsgruppen verstossen könnte oder sogar im Rang eines Mitverschulders bei Verstoss gegen das UWG sein könnte. Je nachdem, welche Werbung grade eingeblendet würde. So wurde z.B., ein Profil eines Mitarbeiters einer deutschen Bank gesichtet, auf dem gerade Werbung für den direkten Konkurrenten zu sehen war. Oder eines Buchhänderls, der sich Werbung eines Online-Buchshops direkt auf seinem Profil gefallen lassen musste.

Heute morgen allerdings wurde mein Weltbild wieder zurecht gewrückt. Der Kampf geht weiter - und lässt hoffentlich den Kurs nochmals gewaltig sinken. Weil sich nun die Gemeinschaft der zahlenden Mitglieder auf die Seite der kostenlosen stellt und weiterhin gemeinsam gefordert wird, die Werbeeinblendungen direkt in den persönlichen Profilen der User komplett zu unterlassen. Denn meiner Ansicht nach kann man ein derartiges Unternehmen, dem jegliche Art der Social Responsibility zu fehlen scheint, nur über einen Kurssturz und somit an der eigenen Geldtasche motivieren, im Geschäftsleben noch andere Werte als die des Shareholder Values gelten zu lassen.

Nebenbei sei noch erwähnt, dass laut AGB der Plattform die persönlichen Daten der User ausschliesslich zu internen Zwecken verwendet werden. Wie dann die beauftragte Marketingagentur zu demographischen Daten der User kommt, um targeting gerechte Werbung schalten zu können, bleibt derzeit noch ungeklärt.

Ich werde weiter berichten……

…. und eine Menge anderer Blogs berichten ebenfalls:
natürlich Robert Basic
Xing milks paying members twice
Staudigl Blog
der Werbeblogger
das Gründernet
jemand, dem’s egal zu sein scheint
leben als target
webzweipunktnull
off the record

update 22:22:

Das zusätzliche Tool, mit dem Premium-Mitglieder selbst die Werbung in ihren Profilansichten deaktivieren können/müssen, kam sogar zwei Stunden früher als zugesagt. Das ist tatsächlich eine Premiere bei Xing - der Druck muss gross gewesen sein. Nach anfänglicher Weigerung wurde dann doch auf der Startseite in den News von Xing ein zusätzlicher Hinweis darauf gesetzt. Viele von den Moderatoren haben zur sicherheit via Newsletter ihre Mitglieder selbst in Kenntnis gesetzt.

Ich darf hier ja kein direktes Zitat aus den internen Diskussionen veröffentlichen, aber eine der Aussagen liess klar und deutlich erkennen, dass diese Opt-Out Version bewusst gewählt wurde. Denn eine Opt-In Version (wie sie eigentlich rechtlich vorgeschrieben ist) wäre zu wenig angenommen worden und damit der Werbeerfolg geringer gewesen. Auf den Company-Blog verlinke ich bewusst jetzt nicht - wen’s interessiert, der findet auch so hin.

Damit ist die Sache aber noch lange nicht vom Tisch. Denn die rechtlichen Bedenken, die von Juristen bereits gestern laut geäussert wurden, konnten bislang noch nicht ausgeräumt werden.

Update 6.01.2008 / 17:30

Um fast punktgenau 17:00 heute am Sonntag kam folgende Nachricht an die Mitglieder über die News auf Xing:
Xing entschuldigt sich und nimmt generell die Werbung aus den Profilen zumindest der Premium-Mitglieder

Ob das nun einem neuerlichen Kursverfall morgen früh, wenn die Börsen öffnen, vorbeugen soll oder eher auf die sehr kritische Resonanz der Mitteilung vom Gründer Lars Hinrichs auf dem Company-Blog zurück zu führen ist?

Hier noch ein sehr guter und sachlicher Blogbeitrag bei Arakel. Weitere werden sicher noch folgen……

update 8.1.2008, 00:13

ein neuer Bericht, diesmal auf einer Seite, auf der’s normalerweise weh tut…….
Financial Times berichtet am 8.1.2008

update 08.01.2008 / 18:40

Das nächste grosse Online-Medium, das sich der Sache annimmt. Und im Text mehrfach ausführt: „Da ist keine Story für die Börse mehr dahinter“
die FAZ heute

update 08.01.2008 / 22:50

Ein weiterer recht aufschlussreicher Bericht zu Internet-Werbung allgemein, der aber auch aus tagesaktuellem Anlass Xing erwähnt:
“Ich finde Autos auch spannender als Tampons” meint der Tagesspiegel

Für alle, die’s momentan schwieriger haben als ihnen lieb ist……


wer’s nicht erkannt hat - das ist ein Ausschnitt aus dem Football-Film “Helden aus der zweiten Reihe”

Cool runnings - dabei sein ist alles!Vor kurzem lief wieder mal der Film “Cool Runnings” im TV. Kennen Sie nicht? Macht nichts. Mir geht es auch nicht um eine Filmkritik. Mir geht es um das, was mein 13jähriger Sohn dabei erkannt hat.

Es geht darin um die erste jamaicanische 4er-Bob-Mannschaft bei den olympischen Spielen. Das muss 1988 in Calgary gewesen sein. Abgesehen davon, dass mir der Film beim zweiten Mal ansehen noch genau so gefallen hat (und das lag nicht allein an dem gut aussehenden Steuermann der Mannschaft), blieben mir auch diesmal drei Botschaften daraus als ungemein wichtig hängen.

Lebe Deinen Traum!
Einer der Jungs ist aus reichem Haus. Sein Vater, der wirtschaftlich bedeutendste Mann auf Jamaica, hat ihn studieren lassen und ihm einen Job in einer renommierten Anwaltskanzlei in den USA besorgt. Der Junge kämpft mit seinem Zwang, automatisch dem dominanten Vater zu gehorchen, und seinem Traum, Bob zu fahren. Heimlich geht er mit dem Team nach Kanada, während sein Vater glaubt, er sei schon in der Anwaltskanzlei. Durch die Fernsehberichte kommt sein Vater dahinter, fährt nach Kanada und befiehlt dem Junior, sofort nach Hause zu kommen. Es kostet Junior ungeheure Überwindung, hier sich selbst wichtiger zu nehmen als den Gehorsam dem Vater gegenüber. Aber er besinnt sich auf sich selbst, seine eigene innere Stärke. Und bleibt. Mit dem Resultat, dass am Ende der Vater ebenfalls im Ziel steht und mit der Menge mitjubelt. Weil er den Stolz auf seinen Sohn nicht mehr verleugnen kann.

Eine Kopie wird niemals besser als das Original werden können
Die Schweizer werden überall als Favoriten gehandelt. Die Newbies, die in Calgary das erste Mal Schnee und eise kennen gelernt haben, nehen sich ein Vorbild an den Eidgenossen. Versuchen, sich beim Start genauso einzuzählen wie die Schweizer. Als der erste richtige Lauf total in die Hose geht, sitzen die vier Jungs am Abend beisammen und stellen fest: “Wenn wir aussehen wie Jamaicaner, reden wie Jamaicaner, uns benehmen wie Jamaicaner - warum fahren wir dann nicht auch wie Jamaicaner?” Am nächsten Tag, beim zweiten Durchgang, zählen sie sich nicht mehr mit “üüüns, zwüüü, drüüü” ein wie die Schweizer. sondern mit “Fühl den Rythmus, fühl die Musik. Dieser Bob bringt uns zum Ziel.” und erringen damit nicht nur eine unerwartet gute Platzierung in diesem Lauf sondern auch die Sympathien vieler Zuschauer.

Der Sieg ist nicht das Einzige, was zählt.
Am dritten Tag, beim alles entscheidenen Lauf, bricht bei ihrem alten Bob (für mehr hatte das Geld nicht gereicht) etwas an der Lenkung, sie kommen schwer zzu Sturz. Aus der Traum. Oder doch noch nicht? Sie rappeln sich wieder auf, alle vier schultern den völlig ramponierten Bob und tragen ihn unter tosendem Applaus ins Ziel. Keine Medaille, kein Rang in den Platzierungen generell - aber ein unendlicher Achtungserfolg!

Oft können wir etwas nicht erwarten. Haben es schwer, uns in Geduld zu fassen. Geht Ihnen sicher genau so, stimmt’s?
Dafür habe ich gestern eine kleine Geschichte gefunden - und will sie hier jedem weiter geben, der auch manchmal Probleme mit dem Abwarten hat ;-)

Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel zu früh gekommen. Und verstand sich schlecht aufs’ Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.

Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an dein Wams. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.

Er nahm den Zauberknopf und drehte: und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals: Und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: Wenn wir doch schon allein wären…Wenn unser neues Haus fertig wäre…Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlen uns noch die Kinder und drehte schnell an dem Knopf. Dann kam ihm neues in den Sinn und konnte es nicht erwarten.

Und drehte, drehte, daß das Leben an ihm vorbeisprang, und ehe er sich’s versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Und merkte, daß er schlecht gewirtschaftet hatte. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, daß auch das Warten des Lebens wert ist.

Und er wünschte sich die Zeit zurück.

Kennen Sie den Spruch? Ja? Und flattern sie bei Ihnen noch? Nein? Schade….. weil das nämlich ein Gefühl ist, das nicht nur im Privatleben wichtig ist. Warum ich gerade auf dieses Thema komme? Vielleicht, weil ich eben den Film “Glauben ist alles” mit Ben Stiller, Jenna Elfman und Edward Norton gesehen habe?

Habe ich schon erwähnt, dass ich ein absoluter Zahlenmensch bin? Ja, wahrscheinlich schon öfter.;-) Ich liebe meine Zahlen, das Arbeiten damit. Sie sind lebendig für mich und erzählen mir so manche spannende Geschichte. Und über all dieser Lebendigkeit habe ich vergessen, wie spannend das Leben auch ohne Zahlen sein kann. Ich mache grade wieder die ersten vorsichtigen Schritte……

im Tal der Schmetterlinge auf RhodosHeuer im Sommer war ich ja nach langer Zeit wieder einmal auf Urlaub. Auf Rhodos, bei einer lieben Freundin zu Besuch (hallo Tina!) und unter anderem auch im Tal der Schmetterlinge bei Petaloudes. Und dort sind eine Menge Schmetterlinge geflattert! Das Wunderbare daran: so unscheinbar sie auf dem Foto aussehen mögen - wenn sie die Flügel öffnen, zeigen sie ein herrliches warmes lebendiges Rot.

Der ursprünglich, in Kleinasien beheimatete orientalische Ambermbaum (Storax), der im Tal der Schmetterlinge auf Rhodos wächst und dessen Harz einen speziellen Duft absondert (riecht etwas nach Vanille), zieht die Schmetterlinge an, und animiert sie sich dort fortzupflanzen. Die Schmetterlinge schlüpfen im Frühling aus ihren Puppen und verbringen den Sommer im Tal, einem in Europa, einzigartigen Biotop.

Wussten Sie, dass ein Schmetterling nur sehr kurzlebig ist? Nur einen Sommer lang flattert er. Dann ist seine Zeit vorbei. Jedes Jahr wieder ist es ein neuer Durchgang im Kreislauf des Lebens. Und ich sehe darin eine erstaunliche Paralelle zu uns Menschen. Der Spruch “Schmetterlinge im Bauch” kommt nicht von ungefähr.

Ein herrliches Gefühl, motivierend, energiespendend, absolut positiv - aber nur kurz. Keine Macht der Welt kann es lang halten. Wenn wir nicht daran arbeiten, dass der Kreislauf sich schliessen kann - also quasi für eine Erneuerung sorgen - dann ist es weg. Fort, verschwunden. Ob das jetzt ein Familienmitglied, ein Lebensabschnittspartner, ein Kollege, Freund oder sogar ein Kunde ist - wenn wir es nicht schaffen, positive Gefühle zu erneuern, ist die Chance vorbei. Halten funktioniert nicht - erneuern ist wichtig.

Ja, ich weiss, das haben wir vor vielen Jahren auch schon gesagt. Und trotzdem haben wir heute einen eklatanten Fachkräftemangel. Warum wohl?

Die Lehrlingsausbildung wurde in den letzten zwanzig Jahren dermassen zum Schutz der Lehrlinge ver(schlimm)bessert, dass sich viele Betriebe mit Schaudern abgewandt haben. Das Risiko, eine Niete zu erwischen und diese dann drei Jahre “am Hals” zu haben, wurde für kleinere Betriebe beinahe untragbar.

Seit einigen Jahren nun versucht man seitens des AMS und der Gemeinden, durch finanzielle Stützung der Lehrlingsentschädigung die Kosten zumindest in den ersten zwei Jahren beinahe auf Null zu stellen. Auch einen speziellen Steuerfreibetrag gibt es.

Das klingt nun wieder etwas interessanter - mindert aber nicht das Risiko, einen guten oder weniger guten Lehrling zu bekommen. Wenn Sie mit dem Gedanken an Lehrlingsausbildung spielen, habe ich heute einen Tipp für Sie, wie Sie sicher an die besten verfügbaren Nachwuchsleute kommen.

In den Schulen werden spezielle Schnuppertage freigegeben - diese sind von Bundesland zu Bundesland und vermutlich auch zwischen den Schuleinrichtungen sehr unterschiedlich. Aber auf jeden Fall sind die ersten schon im Jänner kommenden Jahres.

Gehen Sie schon jetzt - spätestens im November - in Schulen in Ihrem Gebiet. Sprechen Sie mit den zuständigen Beauftragten der Schulen und lassen Sie sich auf die Liste am Schwarzen Brett setzen. “Gute” sprich interessierte Lehrlinge sehen sich bereits jetzt um Plätze um, bei denen sie schnuppern können. So sitzen Sie direkt an der Quelle und haben die besseren Karten.

betriebswirtschaftlicher Kernbereich:
Nun geht es ans “Eingemachte” - an Zahlen, die Sie im voraus einschätzen müssen. Geplante Umsätze und alle Kostenbereiche werden abgefragt. Wie kommen Sie nun an diese Zahlen?

Die Kosten sind meist leichter zu schätzen. Also damit anfangen. Miete, Betriebskosten, Telefon, Internet und diverse andere laufende Fixkosten lassen sich relativ leicht eruieren. Beim Personal wird es schon etwas schwieriger. Überlegen Sie, was Ihr zukünftiger Mitarbeiter netto verdienen will. Dazu rechnen Sie dann nochmals 100% der Summe - damit erhalten Sie das ungefähre Bruttogehalt zuzüglich der anfallenden Lohnnebenkosten wie Kommunalsteuer, Dienstgeberbeitrag etc. Das nun errechnete Monatsbrutto mal 14 und Sie haben die jährliche Kostenbelastung dieses Mitarbeiters. Ja,mal 14 - denn für Unternehmen hat das Jahr 14 Monate, zumindest in der Lohnverrechnung, 12 Kalendermonate und Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Auch beim KFZ ist es nicht mehr ganz so einfach. Sie müssen in etwa abschätzen können, wieviele Kilometer Sie pro Jahr fahren werden. Auch dazu fangen Sie bei einer monatlichen Schätzung an. Fahrten zur Bank, zum Lieferanten, zum Kunden - je nachdem, wie Ihr Arbeitstag verlaufen wird. Von der monatlichen Kilometerleistung kommen Sie dann auf eine jährliche (einfach mal 12 rechnen). Und dann schlagen Sie bitte noch 15% dazu für Fahrten, die nicht vorhersehbar sind, trotzdem aber anfallen werden. Haben Sie die geschätze Anzahl der pro Jahr zu fahrenden Kilometer, nutzen Sie am einfachsten das amtliche Kilometergeld (0,376 € pro km), um die ungefähren Kostne zu ermitteln. Das gilt übrigens auch für Leasingfahrzeuge, weil das Leasingentgelt selbst ja nur quasi der Kaufpreis für das Fahrzeug ist.

Jetzt sind die Umsätze dran. Wenn Sie Waren verkaufen, müssen Sie wissen, welchen durchschnittlichen Rohaufschlag Sie erzielen können. Das kann je nach Branche sehr unterschiedlich sein. Hier hilft Ihnen der Kontakt mit Ihrer Wirtschaftskammer - dort liegen Kennzahlen für jede Branche auf - durchschnittliche Werte von Betrieben aus Ihrer Branche. Ein Richtwert, kein Muss - aber immerhin.

Nun können Sie anhand des Rohaufschlags ermitteln, wie hoch Ihr Umsatz demnach sein soll, damit Sie zumindest die Kosten abdecken können. Da wir ja bei den Kosten den Wareneinsatz vernachlässigt haben, rechnen wir nun mit dem reinen Rohaufschlag weiter. Bei Handel mit Waren kann der Porzentsatz bei 3 bis 20% (manche Branchen auch mehr) liegen. Bei reinen Dienstleistern kann der Rohaufschlag natürlich auch 100% sein. Der Rohaufschlag soll für unsere Berechnung mindestens gleich gleich der Summe der vorher ermittelten Kosten sein. Wenn Sie also als RA z.B. 20% als realistisch ermittelt haben, müssen diese 20% also gleichzeitig 100% der Kosten sein. In diesem Fall müssen Sie die Summe der Kosten mal fünf rechnen (fünf mal 20 ergibt 100), um auf die gesamte benötigte Summe Ihres Umsatzes zu kommen. Können Sie mit einem RA von 100% arbeiten, sind Ihre nötigen Umsätze deckungsgleich mit den Kosten.

Nun haben wir einen vorgegebenen Umsatz. Aber halt! Nicht gleich jubilieren! Denn nun müssen Sie prüfen, ob Sie diesen Umsatz überhaupt erreichen können. Nehmen wir an, Sie haben einen Umsatz von 120.000 Euro ermittelt. Diese Summe gilt für ein ganzes Jahr. Damit müssen Sie pro Monat durchschnittlich 10.000 Euro Umsatz erzielen können. Oder noch weiter herunter gerechnet etwa 2.500 Euro pro Woche. Klingt das plausibel? Wenn ja, bedenken Sie nun, dass wir bisher noch keinen einzigen Cent verdient haben! Es muss also locker noch Platz sein, damit Sie den Gewinn zusätzlich erzielen, den Sie zum Leben benötigen. Wenn nein, dann sollten Sie Ihre Geschäftsidee nochmals überdenken. Denn so wird es nicht klappen - sie können nicht Monat für Monat Geld zuschiessen, um arbeiten zu dürfen.

Wichtig bei Ihrer Einschätzung ist, dass Sie die Kosten eher nach oben (=teuer) schätzen und die Einnahmen eher an der unteren (=sicheren) Grenze positionieren.

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