Alle reden von Netzwerken - aber wer tut etwas dafür?
Kennen Sie Ihr bestehendes Netzwerk überhaupt?
Abgesehen vom Kapital und dem Know How ist im Business, da sind wir uns wohl alle einig, auch das “Know Who” ausschlaggebend. Wer bessere Beziehungen hat, hat mehr Erfolg.
Neudeutsch “social capital” genannt, besteht unser soziales Netzwerk aber aus Menschen. Was zur Folge hat, dass es auch von Emotionen beeinflusst wird. Und daher - einmal auf wackeligem Grund gebaut - keinen Bestand hat.
Wie aber baut man sich ein gut funktionierendes und doch stabiles Netzwerk an Kontakten auf? Lesen Sie hier Woche für Woche jeweils einen von 10 Punkten, die Ihnen helfen, Ihr social capital nutz- und gewinnbringend einzusetzen.
Ein unbedingtes Muss bedeutet für mich das Buch von Alfred J. Kremer “Reich durch Beziehungen”
- lesen Sie es und werden Sie zum Beziehungsmanager!
Netzwerk-Regel #1:
Kennen Sie Ihr Netzwerk ?
Denken Sie einmal drüber nach, mit wem Sie Kontakt pflegen. Mit wem reden Sie
- über wichtige Dinge/geschäftlich oder privat
- an Ihrem Arbeitsplatz/im Business
- wenn Sie Hilfe brauchen/Rat suchen
- in der Freizeit/im privaten Umfeld
Na, wie viele sind es geworden? Zufrieden? Oder eher nicht?
Egal, wieviele Personen Sie dabei ermittelt haben - es geht ja noch weiter.
Wissen Sie von diesen Personen, mit wem diese wieder…. (siehe oben)?
Wieviel wissen Sie wirklich über Ihre Kontaktpersonen?
Wer beeinflusst wen bei Entscheidungen?
Wer ist Mitglied von welchem Verein, welcher Institution?
Wer sitzt im Aufsichtsrat, in einer Schlüsselposition eines Unternehmens?
Wer ist Handelspartner oder Kunde von wem?
Wer pflegt mit wem (auch) privaten Kontakt?
Wer ist Shareholder von welchem Unternehmen?
Viele Fragen, ich weiss. Und doch sind genau diese Fragen nötig, um sich das persönliche Netzwerk bewusst zu machen. Klar, man kennt viele Leute. Aber was weiss man über sie? Je mehr man über das persönliche Netzwerk seiner eigenen Netzwerkpartner in Erfarhung bringen kann, desto zentraler rückt man selbst in den Mittelpunkt eines grösseren Netzwerkes.
Ein Beispiel: Sie kennen fünf Leute. Diese wieder kennen auch jeweils fünf andere Leute. Wenn Sie es nun schaffen, von Ihren fünf Bezugspersonen Informationen zu bekommen, welche anderen fünf Leute das sind - dann hätten Sie doch in relativ kurzer Zeit 30 Leute in Ihrem eigenen persönlichen Netzwerk! Ihr Umfeld erweitert sich.
Netzwerk-Regel #2:
Netzwerken ist eine Investition
Ein optimales Netzwerk besteht aus einem Gleichgewicht an Geben und Nehmen. Wenn Sie sich wundern, warum Ihr persönliches Netzwerk nicht so funktioniert, wie Sie es gern hätten, überprüfen Sie doch einmal diese Zusammenhänge. Und Ihre Einstellung dazu.
Die häufigsten Fehler:
* ein Netzwerk nur benutzen
Wer immer nur nimmt und nicht gibt, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann die Quelle versiegt.
* ein Netzwerk nur versorgen
Wer immer nur gibt und nichts zurückerhält, muss sich umgehend nach neuen Netzwerkpartnern umsehen.
Der erste Schritt allerdings besteht generell aus Geben. Sie müssen den Vertrauensvorschuss leisten und den ersten Schritt tun. Ein Nutzen für das Netzwerk sein. Dann aber sollten Sie abwarten und beobachten. Erhalten Sie entsprechendes Feedback und können Sie von Ihren Netzwerkpartnern auch Nehmen, dann besteht beste Aussicht - für Sie und für Ihr persönliches Netzwerk.
Können Sie keinerlei Gegenleistung erwarten, bleibt es Ihnen überlassen, einen zweiten Versuch zu starten. Verläuft auch dieser nicht zu Ihrer Zufriedenheit, dann haben Sie eindeutig ein totes Netzwerk. Eins, das keinen Nutzen für seine Mitglieder bringt und daher nie wirklich produktiv funktionieren kann.
Je länger Sie übrigens kostbare Zeit in einem toten Netzwerk verbringen, desto schwerer werden Sie Eintritt in ein funktionierendes Netzwerk erhalten. Denn auch Nehmen will gelernt sein. Das Zusammenspiel zwischen Geben und Nehmen muss nicht nur ausgewogen sein, sondern eine Natürlichkeit ausstrahlen, die von gegenseitigem Vertrauen und einem Verlass auf die Fähigkeiten der anderen geprägt wird.
Netzwerke bestehen aus Menschen.
Menschen aus Emotionen.
Emotionen aus positiven UND negativen Teilen.
Netzwerk-Regel #3:
Beziehung oder Deal?
Auch heute investiere ich wieder meine Zeit, um Ihnen zu schreiben.Und heute frage ich Sie:
Wollen Sie eine Beziehung aufbauen?
Oder wollen Sie nur einen Deal?
Wenn wir Deal mit Markt in Verdingung bringen und Beziehung mit Partnerschaft, wird meine Frage sicher transparenter.
Wenn Sie eine Beziehung suchen und der Andere nur einen Deal, werden Sie sich rasch ausgebeutet fühlen oder gar abgewimmelt werden. Das Gleiche gilt natürlich in der anderen Richtung genauso.
Wichtig ist Ihre Grundhaltung in jeder Netzwerkposition. Ergründen Sie möglichst rasch, was die Anderen wollen. Und stellen Sie sich darauf ein. Ein Deal muss auf keinen Fall schlecht sein - wenn beide sich dessen bewusst sind und beide daraus Vorteile schlagen, ist nichts dagegen einzuwenden.
Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass Sie ständig gegen eine Mauer laufen und auf der Stelle treten - dann sollten Sie Ihre Einstellung ändern. Lieber mal einen Deal kurz und schmerzlos mitnehmen als immer ausgenützt zu werden.
Netzwerk-Regel #4:
Tit-for-Tat
oder auch “…eine Hand wäscht die andere…”
Hier sollten Sie nochmals vertiefen und genauer ergründen, ob Ihre Investitionen (aus Regel #2) auch Früchte tragen. “Wie Du mir, so ich Dir” muss zum Motto werden. Man gibt und man nimmt. Solange Geben und Nehmen in regelmässiger Wechselbeziehung stehen, haben Sie ein reibungslos laufendes Netzwerk.
Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation für jeden im Netzwerk und bringt alle gemeinsam vorwarts. Genau das ist es doch, was jeder - bewusst oder unbewusst - von einem Netzwerk erwartet, oder?
Meiner Ansicht nach braucht daher jeder Netzwerker auch eine gehörige Portion an Moral bzw. Ethik. Skrupellose Nutzer des Systems sollten relativ schnell erkannt und beseitigt werden. Je früher desto besser. Es gibt hier wahre Spezialisten, die sich anschliessen, aussaugen, was da ist, und dann husch-husch zum Nächsten schwirren. Lassen Sie das auf keinen Fall zu.
Und - wie auch schon bei Regel #2 angemerkt - bleiben Sie selbst in keinem Netzwerk, das dieses Gleichgewicht von Geben und Nehmen nicht aufweisen kann. Das Leben ist zu kurz, um “tote Pferde zu reiten”.
Netzwerk-Regel #5:
Baue Beziehungen auf zu jenen,
die nicht untereinander verbunden sind
Betrachten Sie in Ruhe Ihre Kontakte. Vielleicht nehmen Sie sich sogar die Zeit, ein kleines Organigramm aufzuzeichnen? Am besten in Ringform - um Sie als Mittelpunkt gruppiert. Sie werden feststellen, dass sich Ihr persönliches Netzwerk weiter verzweigt als Sie geahnt haben.
Huete sollen Sie in den äusseren Regionen tätig werden. Suchen Sie sich Personen am äusseren Rand Ihres Netzwerkes. Solche, die zwar nach innen Kontakte bis zu Ihnen haben, aber noch wenige Kontakte direkt mit jemandem. Und nehmen Sie gezielt Kontakt zu diesen Personen auf.
Ziehen Sie sie quasi einige Ringe weiter zu sich heran. Damit stärken Sie nicht nur Ihre eigene Position im Netzwerk, sondern fördern auch das noch relativ “lose” andere Mitglied. Je persönlicher Sie diesen Schritt angehen, umso erfolgreicher werden Sie sein.
Netzwerk-Regel #6:
Connect the disconnected!
Heute sind Ihre strategischen Fähigkeiten gefordert. Haben Sie bisher die Regeln umsetzen können? Ja? Gut, dann lesen Sie weiter! Nein? Macht nichts. Aber Sie sollten die 6.Netzwerkregel nicht angehen, wenn Sie bis zu Regel #5 in der Umsetzung noch Probleme hatten. Einfach an sich und Ihrem Netzwerk arbeiten - und lieber mit kleinen Schritten vorwärts gehen.
“Connect the disconnected” - “verbinde die, die nicht untereinander verbunden sind”
Dies erfordert von Ihnen gleichermassen Einfühlungsvermögen, soziale Verantwortung und (Verhandlungs-)Geschick. Erforschen Sie Ihr persönliches Netzwerk und suchen Sie Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Gruppen. Haben Sie das Organigramm noch? Das Sie letzte Woche gebraucht haben? Gut. Dann sehen Sie auf einen Blick, welche Ihrer Gruppen auch untereinander verbunden sind und welche nicht.
Prüfen Sie nun nach gemeinsamen “Freunden” und auch gemeinsamen “Feinden”. Ja, Sie haben völlig recht - dazu müssen Sie einige Informationen über Ihr Netzwerk besitzen! Eine sensible Angelegenheit, ich weiss. Aber auch eine gute Ausgangsbasis, um Netzwerkmitglieder zu mobilisieren, zu koordinieren und zusätzlich Vertrauen aufzubauen. Dadurch stabilisiert sich Ihr Netzwerk.
Netzwerk-Regel #7:
Kombiniere #5 und #6!
Haben Sie die letzten beiden Regeln verstanden? Und auch umsetzen können? Oder war Ihnen das zu sensibel?
Genau darauf kommt es aber beim Netzwerken an - Menschen zu verbinden, um allen den grösstmöglichen Nutzen daraus zu ermöglichen. Und dabei nicht auf sich selbst zu vergessen.
Die Anleitungen in Regel #5 und #6 müssen so geschickt miteinander verknüpft werden, dass Sie immer weiter in den Mittelpunkt eines starken eigenen Netzwerkes rücken. Und dass Ihre Netzwerkpartner ebenfalls untereinander eine feste Bindung haben.
Ein ausgewogenes Gleichgewicht aller inneren Kräfte im Netzwerk ist es, was Beständigkeit, Nutzen und Wachstum gewährleistet.
Vergessen Sie dabei nie, dass es immer um Menschen geht! Dass Deals keinen dauerhaften Bestand haben. Dass “Geben und Nehmen” eine Grundvoraussetzung sind.
Netzwerk-Regel #8:
Diversität ist von zentraler Bedeutung
Wie geht es Ihnen mit Ihrem persönlichen Netzwerk?
Wenn Sie die bisherigen Regeln durchgearbeitet haben, gibt es zwei Möglichkeiten:
Ihr Netzwerk wurde zu einem Kooperationsnetzwerk - einem, in dem Vertrauen die Basis bildet. Mit einem begrenzten Wachstumspotential, dafür einer Menge an Motivation.
Oder Sie haben sich ein Informationsnetzwerk geschaffen - eins, das Ihnen und den anderen Mitgliedern Zugang zu vielen Informationen bietet. Sehr effizient, dafür aber auch recht instabil.
Wie auch immer Sie entschieden haben - es hängt letztendlich von Ihrer Intention ab und Ihrem eigenen Typus - eins ist für beide Varianten von grosser Bedeutung: die Diversität! Was bedeutet, dass ein Netzwerk lebendiger wird, je unterschiedlicher die einzelnen Miglieder sind. Und zwar unterschiedlich nicht nur in Alter und Herkunft, sondern auch in ihren Interessen und Fähigkeiten. Je bunter Ihr Netzwerk ausfällt, umso spannender (im positiven Sinn) werden es die Mitglieder empfinden.
Legen Sie also die Scheuklappen beiseite und knüpfen Sie auch Kontakte zu Menschen, die auf völlig anderen Beinen im Leben stehen als Sie selbst. Ein Blick über den eigenen Tellerrand hat noch nie geschadet!
Netzwerk-Regel #9:
Unbalance ist die Basis für ein grosses Netzwerk
Ob Sie’s nun glauben oder nicht - wenn Sie ein möglichst grosses Netzwerk aufbauen wollen, ist die “Unbalance”, also die Nichtausgewogenheit, in Ihrem persönlichen Netzwerk von zentraler Bedeutung!
Das heisst in der Praxis:
Sie müssen mit allen direkt zu Ihnen verbundenen Netzwerkmitgliedern einen guten Draht haben, mit ihnen “können”. Die einzelnen Zweige, Gruppen Ihres Netzwerkes müssen das nicht, ja sollen es sogar in mancher Beziehung nicht.
So unglaublich das auch klingen mag, ist es doch die Basis, um ein grosses Informationsnetzwerk aufzubauen. Grundsätzlich gilt also: nicht jeder muss mit jedem konform gehen, im Gleichklang sein. Nicht jeder Zweig Ihres Netzwerkes muss gleich gross oder gar gleich orientiert sein. Kontraste beleben. Gegensätzlichkeiten bringen zwar manche brisante Situation und Spannung, aber auch ein Mehr an Kommunikation und Attraktion.
Wie schon in der Physik sind nicht nur Plus-Pole nötig, sondern genauso auch Minus-Pole, um das Gesamte zusammenzuhalten. Ihr “gutes Händchen” im Umgang mit Menschen ist gefordert.
Netzwerk-Regel #10:
Networking ist eine Haltung
Wenn Sie die bisherigen Regeln nicht nur gelesen, sondern auch verstanden haben, dann wissen Sie das ohnehin schon. Das “social capital” fordert uns und fördert uns zugleich. Im Aufbau und der Weiterentwicklung unseres eigenen Netzwerkes entwicklen wir uns selbst weiter. Alles fliesst….
Ein funktionierendes Netzwerk ist wie ein Bankkkonto - Sie sammeln dort Guthaben, indem Sie geben, um sich bei Bedarf davon abzuholen zu können. Eben dann, wenn Sie etwas brauchen.
Je weiter Sie Ihren Horizont setzen, umso breiter wird Ihr Netzwerk wachsen. Begeben Sie sich nicht nur in Bereiche, die Ihnen vertraut sind. Wagen Sie den Schritt in Bereiche, wo Sie nicht wissen, was Sie erwartet. Holen Sie sich Input für Ihre Persönlichkeit von Menschen, die völlig andere Sichtweisen haben.
Es ist und bleibt spannend!
Ein ausgezeichneter Artikel zum Thema “Networking” von Don Steiny Institute for Social Network Analysis of the Economy (ISNAE) wurde von mir ins Deutsche übersetzt. Hier finden Sie ihn als Lektüre während der Feiertage:
http://alles-internet.com/blog/networking-und-socialcapital/
Das war nun die zehnte und damit letzte Regel, die Sie beachten müssen. Die Regeln selbst stammen von Dr.Harald Katzmair, einem Network Analysis Spezialisten aus dem wissenschaftlichen Bereich (siehe http://www.fas.at). Die Auslegungen dazu entstammen meiner Feder, sind aber geprägt durch einen Vortrag von Dr.Katzmair, an dem ich teilnehmen durfte.
Als kleines Weihnachtsgeschenk erhalten Sie heute den Link, um sich den kompletten Vortrag mit vielen Grafiken und anschaulichen Vergleichen abzuholen:
Networkanalysis Dr.Katzmair
(als pdf, ca 4 MB gross)
Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr
wünscht Ihnen
Ihre Ingrid J.Bressler
P.S.: Geben Sie 2006 die Chance, das beste Jahr in Ihrem Leben zu werden…..