Mi 22 Feb 2006
Abzocke mit Prepaid-Handies und SMS-Abos?
Geschrieben von ijb in Kategorie Tatort Familie , Tatort Freizeit , Tagesgeschehen (edit this)
Immer mehr unseriöse Machenschaften werden in den letzten Wochen aufgedeckt, die in Zusammenhang mit SMS passieren. Auch meinen 11jährigen Sohn hat es dabei erwischt.
Mein Sohn benutzt ein Prepaid-Handy, von dem des öfteren recht schnell kleine Beträge spurlos verschwunden sind. So zum Beispiel direkt beim Aufladen online - eben noch 40€ aufgeladen, das Handy noch am Tisch liegen und plötzlich nur mehr 36 € Guthaben drauf. Da ich nicht glauben konnte, dass man auf einem Prepaid-Handy quasi ins Minus, auf Kredit telefonieren kann, fing ich an zu recherchieren. Mein Sohn ist 11 und schwor Stein und Bein, weder etwas bestellt noch irgendwo im Internet seine Handynummer hinterlegt zu haben.
Dann fiel uns auf, dass regelmässig SMS kamen von unbekannten Absendern, die Werbung zu sein schienen. Weiters entdeckten wir, wenn man diese SMS öffnet zum Lesen, werden 3 € abgebucht vom Guthaben. Also SMS nicht mehr öffnen und sammeln.
Und nun war ich so ziemlich am Ende mit meinem Latein. Denn ich sah nur, dass eine dieser SMS von Jamba kam. Schickte per Email an Jamba eine Unterlassungserklärung, die völlig wirkungslos verpuffte. Sprach mit einem Anwalt drüber, erkannte die Unmöglichkeit, wirklich etwas beweisen zu können - speziell bei SMS sehe ich wenig Chancen, diese als Beweise zu sichern und z.b. auszudrucken.
Dann las ich über die Möglichkeit, Mehrwertdienste ans Handy sperren lassen zu können. Heute nun habe ich den zuständigen Service bei A1 erreicht und erfahren, dass auf der betreffenden Handynummer ein SMS-Abo für Klingeltöne von Jamba und eins für Horoskope von “ton gim” bestehen. Eine Sperre war sofort nicht möglich, da wir seit Wochen das Guthaben nicht mehr aufladen - inzwischen sind es 12 ungeöffnete SMS - das wären (wenn meine Vermutung stimmt) inzwischen 36 €. Die Dame an der Service-Hotline nahm meinen Fall auf und versprach, ihn an die zuständigen Kollegen weiterzugeben, die sich damit befassen würden. Ich werde verständigt, sobald die Mehrwertdienste endgültig gesperrt werden konnten.
Selbst wenn mein Sohn irgendwann irgendwo im Internet seine Handynummer eingetragen hat, hat er bewusst ganz sicher nie Horoskope bestellt (ist einfach von seinen Interessen her abartig) und auch keine Klingeltöne benutzt - er hat immer noch den Originalklingelton vom ersten Tag an. Vor allem ist er 11 Jahre alt - und somit nicht geschäftsfähig, irgendetwas zu bestellen.
Ich unterstelle derzeit, dass per Zufallsgenerator an Handynummern solange Werbung versandt wird, bis man eine aktive Nummer erwischt, die dann auch wieder zufällig und unabsichtlich diese SMS bestätigt und somit ein Abo bestellt.
Was ich mir daher wünschen würde - auch wenn es einiges an Merhaufwand für den Handybetreiber bedeutet:
Eine schriftliche Bestätigung, bevor derartige Abos aktiv werden dürfen. Ähnlich einem Einzugsauftrag bei der Bank.
Ja, und für alle, die Ahnliches erleben oder noch erleben werden - hier alle meine Links und Ansprechstellen, die ich nutzen konnte:
- die Servicenummer des Handynetzbetreibers - ist immer kostenlos, also auch vom leeren Prepaid anzurufen (in meinem Fall für A1 : 0800 664 664)
- Informationen über andere Geschädigte
Verbraucherschutzforum Deutschland
Europakonsument - Fernmeldebüro - eine zentrale Stelle für diesbezügliche Anzeigen
Februar 22nd, 2006 at 08:02 e
Ziemlicher Hammer, kannst Du denn die Nachrichten nicht löschen ohne sie zu öffnen?
Februar 22nd, 2006 at 08:02 e
Da ich gestern schon für heute vorgeschrieben hatte, gibts Neuigkeiten. Passt auch zu Deiner Frage:
Der Second-Level-Support hat mich gestern abend noch zurückgerufen. Die Schuld entsteht bereits mit dem Empfang dieser SMS - eigentlich logisch, wenn man von legalen Abos ausgeht.
Das heisst im Klartext: im Hintergrund steht bereits der fällige Betrag latent und wird vermutlich (das wusste zumindest der Techniker nicht verbindlich auszuschliessen) beim erneuten Aufladen des Guthabens sofort abgebucht. Das ist eine Automatik, die - wenn sie einmal in Gang gesetzt ist - nicht mehr gestoppt werden kann.
Seit heute nacht ist zwar der Empfang derartiger SMS gesperrt. Aber aus oben genannten Gründen sind wir ernsthaft am Überlegen, ob unser Sohn nicht eine neue Nummer bekommt. Bei der dann eben gleich von Anfang an diese Sperre drin ist. Dürfte vermutlich billiger sein.
Ein rechtliches Vorgehen ist nahezu unmöglich (mit Erfolgsaussichten), weil auch die Mobilkom nur nachweisen kann, wann diese Abbucher reinkamen. Aber ein Abschluss dieser Abos scheint ja nirgends auf. Und ich fürchte, weder von Jamba noch von diesem mysteriösen ton gim werde ich die Unterlagen freiwillig bekommen.
Also eine echte Abzocke nach dem Motto:
Mikrobeträge in grossen Zahlen ergeben auch ein kleines Vermögen. Und vor allem keine Probleme, da die Summe des Schadens beim Einzelnen zu gering ist, um einen grossen Prozess anzustreben.
Echtes Le(h)(e)rgeld also…..
Februar 22nd, 2006 at 09:02 e
Ich habe heute morgen mit meiner “besseren Hälfte” darüber gesprochen. Denn unsere Tochter hat ja auch ein Handy. Bei dem sind zwar die sogenannten Mehrwertdienstnummern gesperrt, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese SMS-Geschichte nicht doch funktioniert.
Wenn Du nichts dagegen hast, dann würde ich mir den Text kopieren und damit den “Magentafarbenen” auf den Pelz rücken.
Februar 22nd, 2006 at 09:02 e
Ja, klar - nichts dagegen - ganz im Gegenteil. Je mehr Leute (Eltern) drauf aufmerksam werden, umso besser!
Februar 22nd, 2006 at 10:02 e
[…] Das ist der komplette Bericht mit dem ersten Nachtrag. Wenn jemand den orginalen Beitrag inclusive der Kommentare lesen möchte, dann bitte ich um einen Besuch von […]
Februar 23rd, 2006 at 17:02 e
[…] Wieso komme ich jetzt eigentlich auf dieses Thema? Ich habe über einen Fall aus Österreich gelesen und da beschreibt in einen Blog eine Mutter wie ihr 11jähriger Sohn abgezockt wurde. Ohne zu telefoniert zu haben, verschwand Geld von seiner Prepaid-Karte. Was war passiert? Ihr Sohn bekam diese Premium-Kurznachrichten und das obwohl nach eigener Aussage keinen Abo-Vertrag abgeschlossen hat. Mit dabei unter den SMS-Absendern, ist eine uns allen bekannt Firma, Jamba schickte den Jungen regelmäßig die teuren Nachrichten. Nachzulesen bei Selfmade in Austria Aber die Chancen aus diese Abzocke wieder raus zukommen, dürften nicht schlecht stehen, da ja Verträge mit Minderjährigen ungültig sind, falls keine Zustimmung der Eltern vorliegt. Um sich vor dieser Masche zu schützen gibt es nur eine Möglichkeit, lasst die Mehrwertdienste für Euer Handy sperren und wenn es nicht möglich ist, dann wechselt so schnell wie möglich den Mobilfunkanbieter. In Östereich gibt es sogar mittlerweile generell diese Sperrmöglichkeit. Eine kleine Zusammenstellung der Schutzmöglichkeiten, bietet das Verbraucherschutzministerium auf seiner Seite an. […]
März 5th, 2007 at 19:03 e
Das Schlimmste kommt noch…!
August 20th, 2007 at 16:08 e
Da dein Sohn noch gar nicht geschäftsfähig ist, sollte der Vertrag mit Jamba! und dem anderen schwebend unwirksam und somit für dich jederzeit widerrufbar sein.
Bin zwar kein Anwalt kann mich aber dunkel erinnern, dass ich das mal so im Sozialkunde Unterricht gelernt habe
August 27th, 2007 at 08:08 e
@ thomas
ein einspruch/widerruf bei jamba hat denen vermutlich nicht mal ein lächeln entlockt - es kam nie antwort darauf. das zweite abo war ein unlesbares, weil in chinesischen schriftzeichen gehaltenes tages-horoskop. keine ahnung, wer da der anbieter war. es wurde meinem gefühl nach einfach bei registrierung auf irgendeinem manga/pokemon-portal im unlesbaren kleingedruckten die bestellung so eines abos mit rein gepackt.
die einzige wirkliche abhilfe ist das sperren der nummern. und natürlich das aufklären der kids, dass sie sich grundsätzliche nirgends registrieren (ohne zu fragen), wenn mehr als ein nickname und eine email-adresse bei der registrierung verlangt werden.
Januar 2nd, 2008 at 23:01 e
wenn ich DEN link damals schon gekannt hätte…….
http://www.spreeblick.com/2004/12/12/jamba-kurs/