Schon einige Male bin ich durch Geschädigte auf derartige Dienste aufmerksam geworden. Nun hat es aktuell eine Klientin von mir erwischt - und 900 Euro sind viel Geld für nichts….
Worum gehts:
In der Briefpost taucht ein Schreiben auf von einer “Branchenregister GmbH”, in dem auf den ersten Blick um dringende Aktualisierung der Daten in einem bestehenden Online-Verzeichnis ersucht wird. Alle relevanten Unternehmensdaten sind bereits ausgefüllt - meist vermutlich fehlerhaft - und die erste Reaktion ist natürlich, diese Daten korrigieren zu lassen. Also schnell ausgebessert, Datum und Unterschrift drauf und zurück gefaxt.
Kurz darauf kommt (natürlich, wie sollte es anders sein) eine Rechnung über 396,00 € zzgl.Mwst. - also stolze 475,20 - ins Haus, aus der dann auch hervorgeht, dass man eine Eintragung in das www.online-branchen-register.com bestellt hat. Der Rechnungsbetrag ist vorerst für ein Jahr, ein zweites hat man aber gleich mitbestellt.
Wer auf die oben angeführte Seite geht (ich verlinke bewusst jetzt nicht dorthin), sieht, warum das alles mehr als dubios ist. Eine mangelhaft aufgesetzte Mambo-Installation, ein Startseitenartikel aus 2005, keine Verzeichnis einsehbar, sondern nur ein Suchfeld erreichbar. Impressum natürlich ebenfalls mangelhaft.
Nein, es sind diesmal nicht die Brüder Schmidtlein, die sich als Abzocker versuchen. Sondern meine Recherchen haben ergeben, dass hier jemand anderer mit einer ähnlichen Masche schon seit langem Unternehmer über den Tisch zieht.
Man landet nämlich in den meisten Fällen bei den Recherchen immer bei einer Sylvia Müller in Ingolstadt. Die bereits letztes Jahr eine Unterlassungserklärung im Namen der Online-Branchenregister GmbH unterzeichnen musste, diese GmbH dann aber liquidiert hat und nun mit der Branchenregister GmbH weiterhin munter auf Kundenfang zieht.
Den Fall meiner Klientin haben wir gestern dann der Wirtschaftskammer übergeben, die bereits eifrig Beschwerden sammelt und gemeinsam mit dem Wettbewerbsverband dagegen angeht. Das können übrigens alle Geschädigten machen, die Mitglied der WKO sind und deren Gremium auch Mitglied des Wettbewerbsverbandes ist. Also hier lohnt sich auf jeden Fall ein klärendes Telefonat!
Hier noch ein paar Links zu interessanten Berichten und Kommentaren zu dieser “Ingolstädter Adressbuch-Mafia”, wie sie bereits bezeichnet wird:
http://www.bvoe.at/
http://www.diemucha.at/
Unter der Adresse von Sylvia Müller (laut Abfrage der whois-Datenbank) D-85051, Ingolstadt / Oberbayern, Rankestrasse 15, befinden sich noch andere “hochkarätige” Adressbuchbetrüger. Auch die Adresse der Branchenregister GmbH in der Moosstraße 60, 5020 Salzburg, ist laut Recherche lediglich ein Office-Gebäude nur zur Postabholung.
Interessant ist, dass von Leuten, die sich schon lange mit diesen Angeboten beschäftigen, folgender Ratschlag gegeben wird - den wir nun heute auch noch nachholen:
Damit die Offertenschwindler möglichst keinen Unrechtsgewinn einstreichen können, sollten Sie folgendes bewährtes Verfahren beherzigen:
Informieren Sie das mit der Gutschrift beauftragte Geldinstitut (zu ermitteln über den Aufdruck auf dem Überweisungsträger, ggf. über die Bankleitzahl unter www.bankleitzahlen.de) umgehend darüber, dass auf das betreffende Konto Zahlungen aufgrund vermutlich unseriöser Angebote eingehen. Schildern Sie den zugrunde liegenden Sachverhalt und regen Sie an, die eingehenden Beträge an die Empfänger zurückzuüberweisen. Im weitgehend automatisierten Zahlungsverkehr sind die Geldinstitute für solche Hinweise durchaus dankbar – und bei offenkundig wettbewerbswidrigem Handeln auch befugt, das Konto zu kündigen.