Keine erfreuliche Entwicklung und bei Gott kein Grund zum Jubeln ist die Insolvenz-Statistik Österreich für 2006, die letzten Montag von der Creditreform veröffentlicht wurde.

Demnach ist die Gesamtzahl der Insolvenzen weiter steigend - und 2006 gab es erstmals mehr Privatkonkurse als die von Unternehmen. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass die Kaufkraft der Österreicher sinken muss. Wenn der Private bis zum Existenzminimum gepfändet ist, bleibt ihm nur sehr wenig Geld für nicht lebensnotwendige Dinge.

“Unternehmen müssen wieder verstärkt mehr Kredit- und Risikomanagement betreiben, um längerfristig markt- und konkurrenzfähig bleiben zu können.”

heisst es unter anderem in dem Artikel. Und da frage ich mich, wie sehr man sich in Zusammenhang mit dieser Statistik auch mit dem Bankwesen auseinander gesetzt hat. Denn ich habe Erfahrungen im letzten Jahr gemacht, die belegen, dass bei Unternehmern sehr wohl Kredit- und Risikomanagement vorhanden wäre. Dass aber bei den Banken die Bereitschaft sinkt, derartiges zu finanzieren.

Hier dreht sich ein Teufelskreis. Der Unternehmer will/muss investieren - die Bank lehnt eine Finanzierung ab - der Unternehmer tritt auf der Stelle - Expansion wird gebremst - die Mitarbeiter gekürzt (wo sonst kann man mit einem einzigen Federstrich so grosse Summen einsparen?) - der neue Arbeitslose oder auch der Unternehmer kann sein Leben/sein Unternehmen nicht mehr finanzieren - geht zur Bank, bekommt keinen Überbrückungskredit……

Ich verstehe sehr gut, dass Banken nichts zu verschenken haben und verstärkt bedacht darauf sind, Sicherheiten für das verliehene Geld zu bekommen. Schliesslich ist Geldverleih das Geschäft der Banken. Und wenn man bei einem Geschäft nichts mehr verdient, sollte man es bleiben lassen. Das sind völlig normale Grundsätze, die natürlich auch ein Bank zu beachten hat.

Wo also setzt man an in diesem Teufelskreis? Wo unterbricht man ihn am besten und schiebt damit die Wirtschaft in die richtige Richtung?

Mein einziger Tipp derzeit:
Auskommen mit dem Vorhandenen, durch straffe interne Organisation der Unternehmensabläufe das Leistungspotential und auch die Freude an der Arbeit der Mitarbeiter (und des Unternehmers) steigern, auf die Kunden offen und serviceorientiert zu gehen. Also das Prinzip der winzigen Schritte, die aber auch - sinnvoll aneinander gereiht - eine grosse Wegstrecke ergeben können.

Damit spielt sich ein Unternehmen selbst wieder frei, schafft bessere Erträge mit gleichbleibenden (oder sogar gesenkten) Kosten und kann mit verbesserten Zahlen bei Banken zielführender argumentieren und verhandeln.

Es ist ein langsamer, mühsamer Weg - speziell für Kleinunternehmer, die den Grossteil der Arbeit selbst erledigen müssen. Ich weiss. Aber meines Erachtens nach allemal besser als den Status Quo von heute einzufrieren. Denn wer sich nicht weiter entwickelt, der bleibt früher oder später einsam auf der Strecke zurück.

Meine Bitte gleichzeitig an die Marketing-Verantwortlichen:

Gaukelt in Eurer Werbung den Menschen nicht ständig die heile Welt vor!
Versucht nicht laufend, Bedarf für Produkte zu wecken, die kein Mensch braucht!
Stellt Euch auf die Situation ein und schafft innovative Konzepte!