In den katholisch dominierten Ländern ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. Also auch bei uns in Österreich und in einigen Bundesländern unserer deutschen Nachbarn. Welche Bedeutung hat dieser Tag heute noch für uns?
Albert Schweitzer wird dieses Zitat zugeschrieben:
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht.
Als ich ein Kind war, war der 1.November immer sowas wie eine Parade der neuen Wintersachen. Es war kalt und wir durften zum ersten Mal die neuen Stiefel und/oder den neuen Wintermantel anziehen, um damit auf dem Friedhof “die Runde zu drehen”. Die Gräber waren geschmückt, als würde an diesem Tag das Grab der Gräber gekürt. Es war ein gesellschaftlicher Treffpunkt und vor den Friedhofstoren gabs Stände mit Maroni, Kokoskuppeln und Schaumrollen. Die nahm man natürlich dann mit, um sich zu Hause bei Kakao/Kaffee und den Süssigkeiten wieder aufzuwärmen. Und wir dachten automatisch an all diejenigen, die eben nicht mehr unter uns waren. Und ehrlich gesagt fand ich es als Kind immer “schön schaurig”, wenn wir dann gegen Einbruch der Dunkelheit nochmal hinfuhren. Auf den Gräbern brannten viele Lichter, es gab eine kleine Prozession und es roch nach Weihrauch.
Was ist heute davon geblieben?
Für mich persönlich ein Tag, der mich veranlasst, kurz vorher die Gräber, für die ich inzwischen selbst verantwortlich bin, wieder mal in Ordnung zu bringen. Sozusagen einzuwintern - wie eben den Garten auch. Und ein paar Minuten mit denen zu “reden”, die ich bereits vermisse. Mein Vater ist dabei, meine Schwiegermutter, eine meiner besten Schulfreundinnen, mein Trauzeuge…. Na ja, wenn man älter wird, wächst halt auch der Kreis derer, die einem nahe standen und nun “auf Wolke 7″ sitzen, frohlocken und Manna naschen.
Das “schön Schaurige” hat sich auf den Vortrag, auf Halloween, verzogen. Die Naschereien bleiben vermutlich an den Ständen liegen, weil den Kindern von gestern noch schlecht ist. Die neuen Wintersachen bleiben im Schrank, weil es - so wie heute - viel zu warm ist. Bekannte würde man am Friedhof kaum mehr treffen - denn die !Alten”, die diesen Tag noch zelebrierten, sind vermutlich fast alle schon Dauerbewohner und warten selbst auf Besuch. Meist vergeblich - man hat zwar einen Tag arbeitsfrei, aber man braucht ihn, um sich vom 31.Oktober zu erholen…..
Wie viele andere kirchliche Feiertage verliert auch Allerheiligen bzw. Allerseelen (der 2.November, der schulfrei ist) immer mehr an traditioneller Bedeutung. Meine Generation hat es noch “gelernt”, wie man`s macht - aber wir geben das nur mehr recht halbherzig an unsere Kinder weiter. Und die? Werden vermutlich nur mehr den arbeitsfreien Tag feiern….