Beratung ist, wie viele andere Berufe, die sich heute entwickeln, eine Profession. Prägendes Kennzeichen aller Professionen (z.B. Medizinerinnen, Psychologinnen) ist die Verpflichtung zu einem hohen beruflichen Ethos, das sich an allgemeinen Werten und Normen orientiert. Diese Verpflichtung ist notwendig, da diese Professionen ein Stück Macht über den oder die anderen mit sich bringen. Das ist auch in der Beratung der Fall und es gilt, diese Macht nicht auszunützen sondern immer darauf zu achten, dass das Wohl der Klienten im Mittelpunkt des Interesses steht.

Das hört sich recht nett an und ist im Grunde auch meine Art, zu arbeiten. Aber ich bin nicht blind. Ich sehe sehr wohl, was am Markt tatsächlich geschieht.

Nehmen wir den Finanzdienstleister, der in erster Linie die Höhe der Provision bei seinen Produkten sieht und nicht den sinnvollen Einsatz als Investment bei seinen Kunden. Banken und deren Mitarbeiter schliesse ich da gar nicht aus - ganz im Gegenteil….

Nehmen wir den Steuerberater, der in erster Linie an hohen Honroarrechnungen interessiert ist und daher schnell mal ans Umgründen denkt mit dem Argument “Steuern zu sparen”. Dabei aber verschweigt, dass die Gesamtkosten der Umgründung diese Einsparungen wieder zunichte machen.

Dann wäre da noch der Versicherungsberater, der von einer der Gesellschaften, deren Produkte er vermittelt, höhere dauernde Provisionen erhält als von den anderen. Und daher diese Produkte bevorzugt verkauft.

Ach ja, und der Buchhalter, der Ihnen mehr an Buchhaltung aufzwingt als der Gesetzgeber für nötig erachtet. Weil er nämlich mehr daran verdient, Ihnen als grundsätzlichem Einnahmen/Ausgaben-Rechner doch eine doppelte Buchhaltung zu führen.

Und natürlich auch der Unternehmensberater, der Ihnen viel von Kennzahlen vorschwärmt und es bei Ihnen für verpflichtend hält, einige davon einzuführen. Obwohl Sie daraus vielleicht gar nichts Brauchbares ableiten können. Aber die (Honorar)Uhr tickt halt auch da….

Last but not least der IT-Berater, der für Sie gerade das Beste als gut genug erachtet und auch bei Ihrer Webseite zum Overdressing neigt. Warum wohl?

Es gäbe noch viele Beispiele dafür. Eins haben alle gemeinsam:

Der Berater interessiert sich in erster Linie für das Beratungsprodukt, das er gerade verkaufen will. Und natürlich für die Rechnung, die er dafür stellen kann. Was Sie auf lange Sicht davon haben, ist erst in zweiter Linie massgebend.

Wie wäre es, wenn Sie uneingeschränktes Vertrauen zu Ihrem Berater haben könnten?
Wenn Sie genau wüssten, dass er auch mal einen Weg aufzeigt, der Sie fast nichts kostet (ihm also momentan kein Geld bringt), aber dafür genau die richtige Lösung für Sie ist?
Wenn wirklich der Kundennutzen im Vordergrund stünde? Gepredigt wird das ja heute überall, aber leider nicht beherzigt.

… schöne neue Welt …… ;-)