Der Kunde braucht heutzutage sieben Geldbörsen, um alle seine Kundenkarten mitnehmen zu können. Dazu noch die Gebrauchsanleitungen, damit er weiß um wieviel Uhr an welchem Tag welcher Gutschein an welcher Kasse für welche Produkte gültig ist. Viele Kunden haben dabei schon den Überblick verloren.
Hier ein sehr gut formulierter Artikel von Johannes H.Schmiedt zu diesem Thema - gefunden in einer Diskussion auf openBC in der Gruppe Retail-City:
;-) Fiktion? Nein! Wir reden hier nicht über Fiktion, sondern über komplett verschiedene Ansätze - genaugenommen über zwei völlig divergierende, kaufmännische Prinzipien - wobei das Ziel das selbe ist: Gewinn.
Es gibt entweder die Möglichkeit über geringere Preise und sehr große Absatzmengen zum Ziel zu kommen, oder aber über geringere Absatzmengen mit höheren Gewinnspannen.
So gesehen, sollten wir nicht “Äpfel mit Birnen” vergleichen. Wobei ich weder Aldi, noch Lidl als Einzelhandel (im angesprochenen Sinn) sehe. Beide sind große Ketten, die Kunden über den Preis zu binden versuchen. Die verfolgte Idee dieser Ketten ist eine minimalistische Ausstattung der Läden bei niedrigen Preisen. Weiters ist die Idee auf eine bestimmte Zielgruppe abgestimmt, welcher der Preis am Wichtigsten ist. Übrigens, Kundenkarten hat weder der Aldi (in Ö Hofer genannt) noch der Lidl - oder hab’ ich da was übersehen?
Nun gibt es einige andere Einzelhändler - bei weitem kleinere als die vorgenannten Ketten, welche - meistens eher erfolglos - über Kundenkarten versuchen die Kunden zu binden (wobei Kundenbindung hier für missverstandene Kundenloyalität steht.) Genaugenommen sind die meisten Kundenkarten nicht mehr und nicht weniger als ein verstecktes Rabattsystem. Hier wird schlichtweg versucht, die großen Ketten zu imitieren. Meiner Meinung nach ist das aber zum Scheitern verurteilt. Besser ist es hier schon, sich zu differenzieren - entweder über Qualität oder Dienstleistung und Beratung. Das geht auch, dazu gibt es genügend Beispiele. (Ökoprodukte vom Bauern, Läden mit speziellen Angeboten für die asiatische, indische, oder sonstige Küche.) Keiner von diesen Läden hat Kundenkarten - wozu auch - der angesprochene Kundenkreis besucht diese aus völlig anderen Gründen und in den meisten Fällen haben diese Läden auch sehr loyale Kunden. Preis ist hier eher zweitrangig. Ergo, ist der Erfolg nicht nur eine Frage des Preises, sondern viel eher eine Frage der Qualität in Relation zum Preis - vor allem aber der Zielgruppe. Wobei ich durchaus zugestehen, dass sich die Größe der Zielgruppe(n) und deren Anforderungen durchaus um Laufe der Zeit ändern. Man kann derartige Entwicklungen aber auch durchaus abschätzen und absehen und entsprechend reagieren - auch ohne kostenintensive Marktstudien durchführen zu lassen. Hier genügt es auch schon, einfach mit “offenen Augen” zu beobachten und die Zielgruppe zu kennen. Wird diese aber zu klein, ist es sicherlich besser, sich nach Alternativen umzusehen.
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Übrigens, gibt es zu der o.a. Theorie auch genügend Beispiele im Vergleich großer Möbelhäuser (bei denen Beratung und Planung auch oft zu wünschen übrig lassen) und Tischlern, welche Planung, Kundenberatung, und perfekte Montage in den Vordergrund stellen, und damit äußerst erfolgreich sind. Ich will jetzt auch gar nicht behaupten, dass die Tischler den Möbelhäusern Kunden wegnehmen - sie sprechen einfach eine andere Kundengruppe an.
Die Kundengruppe oder Zielgruppe zu kennen, deren Größe und Potential einzuschätzen, und entsprechend zu reagieren - genau das macht das “Geheimnis” erfolgreicher Geschäftsleute aus. Die Branche ist hier völlig egal. Es kann aber auch sein, dass es in manchen Bereichen zu den niedrigen Preisen keine Alternative mehr gibt, dann müsste man(n oder Frau) sich eben eine andere Nische suchen. Denn wenn es nur noch um den Preis geht, wird der kleine(re) Einzelhändler mit den großen Ketten sicherlich nicht “mithalten können.”
Alles keine Fiktion, sondern viel mehr eine Frage der Einschätzung der Marktlage, der Zielgruppe, und der vorhandenen Möglichkeiten
meint
J.H. Schmiedt
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