Kaltaquise - von vielen gehasst, von genauso vielen geliebt. Und von einem Grossteil der potentiellen Kunden langsam ignoriert?
In der gesamten EU ist ein Anruf zu Werbezwecken an einen Privatanschluss verboten. Diese Form der Werbung wird als aggressiv eingestuft. Erlaubt hingegen ist es in Österreich bis Ende Februar 2006 noch, im B2B-Bereich - also von Unternehmen zu Unternehmen - Kaltaquise zu betreiben.
Nun bin ich ja auch “Zielgruppe”, nicht nur Unternehmer. Und kämpfe an manchen Tagen mit bis zu fünf derartigen Anrufen. Der Bogen der Angebote spannt sich von Lotto über Telefonanschluss bis hin zu Büroartikeln im Direktvertrieb. Wird dabei mein Firmenanschluss benutzt, kann ich nur müde abwinken. Viele wählen aber auch meine Privatnummer und versuchen, durch diesen kleinen Irrtum ins Gespräch zu kommen. Da erlebe ich manchmal die tollsten Situationen.
Eine besonders hartnäckige Dame (wohl schon lange im Telefonmarketing tätig), versuchte mir tatsächlich einzureden, dass ich bloss nicht wüsste, dass dieser Anschluss ein gewerblicher sei. Auf ihrer Liste stünde er unter “gewerblich” und somit hätte das schon seine Richtigkeit.
Von meiner Un-Lust, weitere derartige Anrufe entgegenzunehmen, schliesse ich doch ein wenig auf die Masse anderer - und habe in meinem Bekanntenkreis nachgefragt. Ausnahmslos alle sind nur noch genervt, da ihnen mit derartigen Anrufen nur die Zeit gestohlen wird. Automatisch stellt man also schon auf Durchgang, wenn das Telefon klingelt und jemand höflich fragt: “Kann ich mit jemandem von der Geschäftsleitung sprechen?” Dieser Satz erheitert mich übrigens immer wieder - bin ich doch eine one-woman-Show und sowohl Geschäftsführer als auch Putzfrau in einem.
Wenn mein Telefon klingelt und das Display anzeigt “Nummer unterdrückt”, hebe ich meist schon gar nicht mehr ab. Denn zu 90% sind es Callcenter, die mir irgendetwas ganz Tolles, Einzigartiges nahebringen wollen. Und ehrlich gesagt, in der Masse stiehlt mir das meine Zeit - die ich lieber zu Geld mache, sprich produktiv arbeite.
Und nicht nur mir geht es so. Lesen Sie hier, was Wolf-Dieter Roth auf Telepolis dazu schreibt.
Was mich allerdings am nachdenklichsten dabei macht:
Wenn mit immer aggressiveren Methoden Werbung gemacht wird - wie übersättigt ist unser Markt dann schon?
Wenn Werbung lästig wird, wem nutzt sie dann noch?